Jubi-Storys
Warum?
Es war doch für ihn
Thema Nr. 1
Ich wünscht ich wär ein Engel....
One Night in Magdeburg
PS: Ich liebe dich!
Beautiful
I hate this Song
Es tut mir Leid
Ich erinnere mich an die Zeit...


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Leise lag er da. Ganz ruhig, seine Augen geschlossen, seine Hand in meiner. Er atmete nicht hatte langsam die leicht rötliche Farbe aus seinem Gesicht verloren. Ich merkte wie eine Träne über mein Gesicht rollte und das obwohl ich lächelte. Ich lächelte, ja ich tat es. Wieso, weshalb oder warum konnte ich nicht sagen. Mein Freund war gestorben, den ich über alles liebte. Da lag er nun, so als wenn er schlafen würde nur ohne die Atemgeräusche, ohne seine Atemgeräusche. Mit meinem Daumen strich ich sanft seine Hand auf und ab. Er liebte mich, das war ganz klar und er würde es für immer tun. Er sagte immer, "Linchen dich lass ich nie mehr im meinem ganzen Leben alleine." Ich hatte es ihm geglaubt bis das hier passierte. Kevin war tot! Ich spürte zwei sanfte Hände auf beiden Schultern, doch ich konnte mich von meinem Kevin doch nicht wegdrehen, wie hatten doch noch so viel vor uns. "Joleen..." sagte einer der beiden Jungen die hinter mir standen. Immer noch lächelte ich, immer noch war mein Traummann vor mir. Seine Familie war schon nach Hause gefahren, schließlich saß ich jetzt schon die ganze Nacht hier und hielt seine Hand. "Joleen, lass uns gehen." sagte nun einer der zwei Jungen hinter mir. Tapfer schüttelte ich mit dem Kopf. Mir fiel mein Pony vor die Augen, doch es war mir vollkommen egal. Bill, einer der zwei Jungen ließ mich los und ging ein Stück auf meinen Schatz, auf meinen Kevin zu. "Kevin..." es klang so als wenn er gleich anfangen müsste zu weinen. „Kevin wir werden für dein Linchen sorgen, mach dir keine Sorgen um sie." sagte er leise. Tom, Bills Zwillingsbruder sagte noch "lass es dir gut gehen wo immer du auch bist und vergess uns nicht." Dann sahen sie mich beide an. ich merkte wie die beiden sich zu nickten und mich mit einmal hoch nahmen und mich aus dem Zimmer zerren wollten. Ich fing an zu schreien, ich wollte nicht weg, nicht weg von Kevin, noch nie vorher hatte ich jemanden so geliebt wie ihn und noch nie hat mich wahrscheinlich irgendwer so sehr geliebt wie er. Ich kloppte mit voller Kraft gegen Bill und Tom und schrie immer wieder "NEIN...NEIN...lasst mich zu ihm...NEIN!" Doch sie ließen nicht locker. Die Leute sahen uns komisch an, aber trotzdem ließen die beiden mich nicht los. Wir waren bei der Treppe angekommen, dort stand Georg. Ein sehr guter Freund von mir, genauso wie Bill und Tom, doch mein bester Freund fehlte noch. Georg war grade gekommen. Er nahm mich in seine kräftigen Arme, immer noch wehrte ich mich. Die Tränen flossen nur so meine Wangen hinunter. Georg drückte mich immer fester, sodass ich mich nicht mehr wehren konnte. Ich gab auf und ließ mich nur noch fallen. Georg hielt mich fest. "NEIN!" schrie ich und wiederholte es immer wieder nur jedes Mal etwas leiser. "Ruhig, ganz ruhig Joleen." sagte Georg mit ruhiger Stimme. Er schleppte mich zur nächsten Bank. Dann ließ er sich fallen, samt mir. Immer noch fest in seinen Armen saß ich auf der Bank. Ich weinte, so sehr wie noch nie zu vor in meinem Leben. Bill und Tom standen etwas unbeholfen vor uns. Da hörte ich auf einmal eine mir wohlbekannte Stimme meinen Namen rufen. "Joleen!" Es war Gustav mein bester Freund, er rannte sofort auf uns zu und nahm mich in die Arme. "Oh Gott mein Schatz!" sagte und schaute mich kurz an und legte dann sofort wieder seine Arme um mich. Gustav war der einzige, neben Kevin der mein Leben wirklich kannte, der wirklich wusste was ich schon für ein Kack durchleben musste und muss. Denn als ich ihn kennen lernte war das purer Zufall.

>>>>>>>>>Flashback<<<<<<<<<<<

Mein Vater, ehemaliger Spitzenanwalt, hatte den größten Prozess seines Lebens verloren. Hätte er den gewonnen, hätte er wohl für alle Zeiten ausgedient gehabt. Doch er hatte es nicht geschafft, er hatte ihn verloren und so wurde er wieder mal nur zum Anwalt für kleinere Fälle und konnte somit grade so unser Leben finanzieren, das Leben von meiner Mutter und mir, seiner damaligen noch 5jährigen Tochter. Was damals mit seinem Fall passiert war oder was überhaupt los war, verstand ich damals noch nicht. Es interessierte mich natürlich auch noch nicht. Ich wunderte mich nur, warum er plötzlich nicht mehr so viele Geschenke für mich mit nach Hause brachte. Später wusste ich natürlich, dass ich die Geschenke nur bekam, als Entschädigung dafür dass er damals zu seiner Spitzenanwaltszeit selten zu Hause war. Nun nach dieser Zeit war kein Geld mehr da für Geschenke. Mein Vater war trotz nicht mehr so tollem Ansehen in seinem Beruf wenig zu Hause. Ich kannte es zu der Zeit eh nicht anders, wie sollte auch ein kleines 5jähriges Mädchen so wie ich es war die Erwachsenenwelt verstehen? Es ging nicht, also probierte ich es auch gar nicht. Es klingelte damals an der Haustür, wie so oft. Manchmal waren es irgendwelche Männer, die ich nicht kannte, doch dieses Mal war es anders. Ich rannte wie jedes Mal wenn es klingelte aus meinem Zimmer und wollte nach sehen wer an der Tür stand, schließlich war ich ein neugieriges Kind. Außerdem konnte es ja sein, das es mein Vater war, vielleicht hatte er mir ja endlich mal wieder was mitgebracht. Doch leider war es nicht mein Vater. Meine Mutter lächelte mich noch an bevor sie die Tür öffnete und meinte noch zu mir, dass ich nicht immer so neugierig sein sollte. Das sagte sie so oft, aber ich machte mir nie was draus. Meine Mutter öffnete die Tür. Sie wurde zur Seite geschupst. Männer in Uniform kamen reingelaufen. Einfach so ohne freundlich "Hallo" zu sagen wie es sonst alle Besucher taten. Sie jagten an mir vorbei als wenn sie verfolgt werden würde. Sie sahen aus, als wenn sie jemanden mit Gewalt suchen würden, was auch stimmte, was sich aber doch erst später heraus stellte. Meine Mutter ging den Männern hinterher und ließ mich mit meiner Angst alleine. Ich fing an zu weinen und lief vor lauter Angst aus dem Haus, denn die Haustür stand schließlich noch offen. Draußen lief ich einfach so weit mich meine kleinen Beine trugen, dann setzte ich mich auf den Bordstein und ließ meinen Angsttränen freien lauf. Irgendwann kam eine Frau zu mir und fragte mich, was mit mir passiert sei. Doch sie verstand es nicht unter meinen Tränen. Sie beschloss mich mit in ihr Haus zu nehmen und mich erstmal zu beruhigen. Ich ging mit ihr. Bei ihr zu Hause setzte sie mich auf ein Sofa und wischte mir mit einem Taschentuch die Tränen aus dem Gesicht. Sie fragte mich nach meinem Namen, ich sagte ihr dass ich Joleen hieß. Sie stellte sich mir als Kirsten vor. Da kam ein kleiner Junge herein. Er sah skeptisch zu uns herüber. "Und das ist mein kleiner Sohn Gustav!" lächelte sie mich an. Langsam wurde ich ruhiger, nur noch ein paar Schluchzer kamen von mir. "So Joleen, wo kommst du denn her? Was macht denn so ein kleines Mädchen alleine hier auf der Straße?" fragte Kirsten und behielt dabei ihren freundlichen Gesichtsausdruck. "Zu hause waren böse Menschen." flüsterte ich ihr leise zu. Sie sah mich leicht verwundert an. "Joleen, wie heißt du denn weiter?" fragte sie direkt danach. "Begau!" sagte ich und sah noch mal zu Gustav der immer noch weiter weg stand und hier her sah. Kirsten merkte das und lächelte. "Gustav, hol’ dir und Joleen doch mal einen Lutscher." Mit diesen Worten lief Gustav los und kam kurze Zeit später wieder mit zwei Lutschern in der Hand. "Ich versuche jetzt mal deine Mutter zu erreichen, Joleen." lächelte Kirsten und ging. Gustav streckte mir den zweiten Lutscher entgegen, ich nahm ihn. Und das sollte wohl nun der Beginn einer großen Freundschaft werden.

>>>>>>>>>>>>Flashback Ende<<<<<<<<<<<

Immer noch lag ich weinend in seinen Armen. Immer noch wollte ich nur zu meinem Schatz Kevin, der nun aber gestorben war. Ich war nicht unschuldig an seinem Tod, aber trotzdem gab mir keiner die Schuld. Gut die meisten wussten nicht wie es passiert war, doch seine Eltern wussten es und sie gaben mir keine Schuld und das war wohl der Grund der mich von den Schuldgefühlen befreit bleiben ließ. "Joleen, sollen wir dich nach Haus bringen." fragte Tom, doch bevor ich was sagen konnte sagte sofort Gustav "Nein, Joleen wollen wir zu mir nach Hause?" Ich schüttelte mit dem Kopf wollte nicht weg von diesem Ort, hier war die Liebe meines Lebens gestorben, hier wollte ich bleiben, bei ihm. "Doch, wir gehen jetzt zu mir nach Hause." sagte Gustav und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Langsam half Georg mir auf, dann übernahm Gustav wieder mich, er fasste mich stark an den Schultern an und stützte mich. Langsam ging es die Treppe nach unten. Stufe für Stufe, jede Stufe tat mehr weh, nicht in meinen Beinen oder sonst wo, nein in meinem Herzen. Es fühlte sich so an als würde jede Stufe ein neuer Schlag sein. Es fühlte sich so an, als wenn mein Herz brennen würde und es immer stärker brennen würde. Irgendwann konnte ich einfach nicht mehr, ließ mich nieder und setzte mich auf die gehassten Treppenstufen. Mein Kopf fiel in meine Hände. Ich merkte wie sich jemand vor mir platzierte. Er fasste meine Hände drückte meinen Kopf nach oben. Gustav! Er sah mir genau in die Augen. "Hey, mein Schatz, ich weiß ich hab es schon so oft gesagt, aber du bist nicht alleine, wir schaffen das zusammen und ich werde immer für dich da sein egal wo ich bin und werde immer deine Hand nehmen wenn du es brauchst. Ich bin für immer für dich da." Ja das hatte er schon so oft gesagt und auch immer eingehalten, deswegen vertraute ich ihm auch so. Aber ob ich es dieses mal schaffen würde wusste ich nicht, das dachte ich nach jeder Sache die passierte, aber dieses Mal war alles anders. Dieses Mal war es viel schlimmer als sonst. "Gustav dieses mal kann ich nicht." sagte ich unter meinen tausend Tränen die nur noch so meine Wangen hinunterflossen. "Doch Joleen, du bist so ein starkes Mädchen, du hast mich bis jetzt immer beeindruckt mit deiner Stärke also tu es auch dieses Mal. Ich weiß das du das kannst." sagte er stand auf und hob mich hoch. Ich war nicht schwer, ich war eher schmächtig, meine längeren braunblonden Haare waren glatt und mein Ponyansatz hing mir meistens in den blauen Augen. Gustav trug mich mit Leichtigkeit die letzten Treppenstufen nach unten. Mein Kopf lehnte gegen seine Brust gelehnt. Georg holte sein Auto, er war der einzige 18jährige von uns, mit einem Auto. Gustav setzte mich auf die Rückbank und er sich neben mich. Wieder fasste er nach meiner Hand. Aufhören zu weinen konnte ich wohl nicht mehr, zu sehr saß der Schmerz des Verlustes meiner großen Liebe. Es war ein kalter Novembertag draußen. Nebel bedeckte die ferne und die Bäume sahen ohne ihre Blätter so voller Trauer aus, so wie ich mich innerlich fühlte, so leer. Das Gras hatte eine weiße Schicht über sich, es war Frost. Durch die Wärme die im Auto entstand beschlugen die Fenster. Meine Handfläche legte ich langsam auf die Scheibe. Es fühlte sich kalt an und feucht, ich löste meine Hand wieder von der Scheibe, man konnte meinen Handabdruck sehen. Ich erinnerte mich daran wie Kevin, seine Hand daneben patschte und J + K noch mit seinem Fingern hinschrieb und mich danach küsste. Nein daran wollte ich mich nun nicht erinnern. Ich legte meine Hand wieder auf die Scheibe und fing an mit ihr hin und her zu wischen bis ich wieder raus gucken konnte und dem Nebel zu sehen konnte wie er die Hügel versteckte.

>>>>>>>>>>Flashback<<<<<<<<<<<

Ich war wieder zu Hause, meine Mutter hatte mich abgeholt mit einer Frau in Uniform. Nun war ich zu Hause. Dort waren immer noch diese schrecklichen Leute. „Wo ist Ihr Mann?“ fragte einer der Menschen. Meine Mutter sagte immer wieder, dass sie nicht wüsste wo er sei. Woher auch? Und was wollten die überhaupt von meinem Vater, wenn ich mich verabreden wollte musste ich doch auch immer nur Mama oder Papa fragen, warum fragen sie nicht einfach meine Mama? „Sie müssen doch aber wissen, wo Ihr Mann ist!“ Der Onkel der da vor mir stand machte mir ja aber doch schon irgendwie Angst, aber nervte mich mit seinem Gefrage. „Mama weiß es nicht, hat sie doch gesagt!“ sagte ich leise. Der Mann sah mich etwas böse an. Ich kuschelte mich an meine Mutter. „Lassen Sie doch mein Kind in Ruhe, sie hat doch mit dem Ganzen gar nichts zu tun.“ Womit denn? Ich traute mich nicht zu fragen, nachher würde der böse Onkel wieder so gucken. „Hier ist nichts“ kam ein anderer Mann zu dem bösen Onkel. „Wir werden ihn schon finden! Und Sie ziehen hier in dieser Zeit nicht weg! Oder hauen ab, wir machen jeden Tag Kontrolle! Ihren Mann können wir nicht laufen lassen, wissen Sie eigentlich, was er damit den Kindern antut, die gehen doch kaputt.“ Dann ging er. Mein Papa machte Kinder kaputt? Was sagte der denn da, mein Papa war der netteste Papa der Welt. Meine Mutter schubste mich von sich und stand auf und sagte „Scheiße!“ Sie fing an zu weinen. Ich ging zu ihr hin und wollte ich Bein umarmen doch sie schubste mich wieder weg, so dass ich auf mein Po fiel. Was sollte das, warum schubste mich meine Mama weg? Mich, ihren Engel? Ich stand wieder auf und lief wieder zu ihr hin. „Joleen, lass mich in Ruhe!“ schrie sie. Ich sah sie mit großen Augen an, warum war sie so gemein. Ich lief in mein Zimmer und weinte, das war nicht meine Mama. Ich weinte, vor Angst, vor dem was grade hier passierte, wo war mein Papa, der Mama trösten kann? Ich hörte etwas ganz laut scheppern. Es schreckte mich auf. Langsam ging ich zu meiner Tür und öffnete sie langsam. Vor meiner Tür lag eine große Porzellanscherbe. Ich nahm sie und auf dem Flur lagen noch mehr ich sammelte sie auf. Sie führten mich zur alten Vase von meiner Oma, doch sie war nicht mehr da, nur meine Mutter stand heulend da. Hat sie etwa die Vase kaputt gemacht? „Mama, die kann man reparieren!“ wollte ich sie trösten und hielt ihr stolz meine gesammelten Scherben entgegen. Sie sah mich an, kein Lächeln ihre Augen waren rot und mit einmal stieß sie mir die Scherben aus der Hand. Es tat weh ihr Schlag auf meine Hände. „DU BIST EINFACH ZU BLÖD!“ schrie sie mich an. Ich hatte doch gar nichts gemacht, Mama was hatte ich getan? Ich konnte nichts sagen. Sah sie mit großen Augen an. „Geh’ weg ich will dich nie wieder sehen!“ schrie sie weiter. Ich hatte nur noch Angst, Papa wo bist du! „Papa!“ schluchzte ich los und wollte weggehen. Da hielt meine Mutter mich fest, „Dein Vater? Dein Vater ist ein dummer Mann, er macht alles kaputt!“ sah sie mich an und hielt mein Arm so doll fest, dass es weh tat. Ich wollte mich lösen, doch meine Mutter sah mir weiter tief in die Augen „Er kann nichts und ich hasse ihn und hoffe, er wird nie wieder kommen! Und jetzt geh’ ich will dich auch nicht wieder sehen!“ Dann ließ sie mich los. Angst, ja genau Angst hatte ich. Wieder lief ich raus, nur weg von meiner Mama, oder war das überhaupt noch meine Mama?

>>>>>>>>>>Flashback Ende<<<<<<<<<<<<

Gustav und ich fuhren zu ihm nach Hause. Er holte mich aus dem Auto und hielt meine Hand, immer noch. Bei der Haustür holte er sein Schlüssel heraus. Er schloss die Tür auf und wir gingen hinein. „Joleen…“ Kirsten, Gustavs Mutter, kam langsam auf mich zu und nahm mich in ihre Arme. Sie war für mich so eine Art Mutter, bei ihr fühlte ich mich richtig geborgen. Sie war für mich eine perfekte Mutter, aber das war wohl fast jede Mutter für mich. Gustav hatte in meinen Augen eh die perfekte Familie, er hatte seine Mutter, sein Vater und noch seine große Schwester Franzi. Mir wurde oft gesagt das ich auch schon mit zur Familie gehörte, doch trotzdem, irgendwie gehörte ich ja doch nicht dazu. „Möchtest du was Essen, trinken oder einfach nur schlafen?“ fragte sie. „Mama, lass sie!“ hörte ich nur Gustav leise sagen. Ich drehte mich zu ihm. „Sie muss aber was Essen und vor allem trinken.“ „Mama! Lass sie doch einfach!“ „Aber…“ „Darf ich in dein Zimmer?“ fragte ich und unterbrach so Kirsten. Gustav antwortete mit einem selbstverständlichen Nicken. Ich ging die Treppe nach oben in sein Zimmer, den Weg fand ich nach all den Jahren blind. Ich ging hinein, sein Zimmer war wie immer aufgeräumt. In der einen Ecke stand sein heiß geliebtes Schlagzeug, das hatte er schon als ich ihn kennen lernte, gut mittlerweile war es ein neues. Ich ging langsam zu seinem Bett uns setzte mich. Ich strich über die Bettdecke mit meiner rechten Hand. „Was ist nur passiert?“ fragte ich mich selber leise. Die Tür ging auf. Gustav kam rein mit einem Tablett mit Essen und Trinken drauf. „Sorry, aber meine Mutter ließ sich nicht abschütteln.“ Er stellte es auf seinem Schreibtisch. Danach kam er gleich wieder zu mir. „Es war so klar! Warum sollte Kevin auch unverschont bleiben? Es machen sich doch eh alle vom Acker die in meiner Nähe sind!“ flüsterte ich in den Raum hinein. „Das stimmt doch gar nicht, du kannst doch gar nichts dafür!“ Gustav. „Ja und? Trotzdem läuft alles scheiße, jeder Mensch der mir was bedeutet ist weg. Ich habe das Gefühl das ich keinen Menschen vertrauen darf, sie sterben doch eh oder brechen es, wie schon immer! Davon mal abgesehen das ich zu dumm bin Menschen zu vertrauen!“ „Joleen, dafür kannst du doch gar nichts, das was damals alles passiert ist, das deine Mutter dich nicht mehr wirklich wollte und das mit deinem Vater, da ist doch klar das du keinem mehr vertraust.“ Sagte Gustav. Warum hatte er nur immer wieder für mich Verständnis ich verstand es nicht! Das einzige was ich durchgehend im meinem Leben hatte war Probleme und er war immer noch da. „Ja und? Jetzt ist Kevin tot, ich halt das nicht mehr aus!“ schrie ich nun richtig aus mir heraus. „Joleen das alle gehen stimmt nicht ich bin noch immer bei dir und ich lasse dich sicher nicht im Stich und Kevin tut das auch nicht er hat dich mehr geliebt als alles andere, er wird immer bei dir sein, vertrau doch nur drauf!“ Ich wusste, dass Gustav Recht hatte, doch trotzdem es war nicht einfach! Wir schwiegen. Irgendwann sah ich zu Gustav auf, der immer noch neben mir saß. „Darf ich bei dir schlafen?“ fragte ich leise. Er schloss mich in seine Arme. „Immer, das darfst du immer!“ Ich legte mich auf sein Bett und sah zur Decke. Mir liefen Tränen die Wangen hinunter. Gustav legte sich schweigend zu mir. Er griff nach einer meiner Hände. Manchmal wenn wir so da lagen dachte ich er wäre mein Bruder, weil ich ihn echt besser als jeden anderen Menschen aus meinem Leben kannte, aber das dachte ich wirklich nur manchmal. Der Gedanke baute meistens auf.

>>>>>>>>>>Flashback<<<<<<<<<<

Ich wurde Älter. Meine Mutter hatte sich seitdem mein Vater weg war, eigentlich fast gar nicht um mich gekümmert. Sie hatte keine Lust mehr. Sie rutschte ab, trank nun ziemlich oft. Doch sie schaffte es wenigstens noch, mir was zu Essen und zu Trinken zu geben, doch umso Älter ich würde umso weniger kriegte sie es auf die Reihe umso mehr gab sie sich dem Alkohol hin. Sie kam damit einfach nicht klar, dass ihr Ehemann so eine Scheiße gebaut hatte. Mittlerweile hatte ich mir dann aber durch immer weitere Häppchen an Informationen selber zusammen gereimt was mein Vater getan hatte. Mein Vater war ein illegaler Zuhälter. Er leitete den größten Babystrich in dieser Stadt. Er hat Mädchen aus Russland hier anschleppen lassen und sie dazu gezwungen, sich als Nutten an den Straßenstrich zu stellen. Kinder kamen wohl besser an als alte, benutzte und aufgebrauchte Frauen. Mittlerweile war ich 14 Jahre alt. Mein Leben lebte ich schon lange alleine. Meine Mutter betrank sich jeden Tag. Ich gab mir dafür nie die Schuld, ich war nicht Schuld, dass sie sich so gehen ließ, es war die Schuld meines Vaters, den ich inzwischen mehr hasste, als viele andere Menschen. Hätte er nicht so eine Scheiße gebaut, wäre meine Mutter nicht so wie sie war. 9 Jahre lang war sie mittlerweile am Ende, eigentlich hasste ich sie auch, andererseits bewunderte ich sie auch etwas. Wie auch immer sie das aushielt, seid 9 Jahren war sie nicht gegangen. Es wird wohl meinetwegen sein, auch wenn sie mich wie ein Stück Dreck behandelte, sie war meine Mutter, ich liebte und hasste sie zu gleich. Deshalb brachte ich ihr wahrscheinlich überhaupt noch Alkohol mit, wenn ich Einkaufen ging. Nach all den Jahren hatte man schon so seine Tricks sich angelernt, wie man auch an die Sachen kam die es erst ab 18 Jahre gab. Wie ich die letzten 9 Jahre aushielt, war für mich ein Rätsel, aber ich hatte ja Gustav. Seid dem wir uns angefreundet hatten, war er immer für mich da. So viel vertrauen konnte man eigentlich gar nicht für einen Menschen entwickeln, doch er hatte mich einfach noch nie im Stich gelassen. Eines Abends klingelte es. Meine Mutter ging zur Tür, wie immer eigentlich. Sie torkelte schon wieder. Ich sah von oben, die Treppe hinunter. „Ist deine Tochter auch da?“ sagte eine mir total unsympathische Stimme. „JOLEEN, KOMM MAL RUNTER!“ rief sie unsicher mit ihrer betrunkenen Stimme nach oben. Ich lief die Treppe gleich nach unten. Ein glatzköpfiger Mann stand vor unserer Haustür. Draußen war es schon dunkel. Der Mann lächelte etwas gierig als er mich sah. „Ein wunderschönes Mädchen ist sie geworden.“ Sagte er und strich mir mit seinen schmierigen Händen eine Strähne aus dem Gesicht. Unsicher sah ich zu meiner Mutter. Die schien das alles in ihrem volltrunkenen Zustand wieder gar nicht zu interessieren. „Was wollen Sie?“ fragte ich zickig. „Dich! Dein Vater und ich haben noch eine Rechnung offen und vor 9 Jahren hat er mit dir bezahlt, er hat gesagt wenn du 14 Jahre alt bist darf ich dich haben, hat wohl noch gehofft, irgendwas zwischendurch zu machen, um dich zu schützen, aber hat ja nicht geklappt, also bekomm ich jetzt dich!“ sagte er und fing wieder an zu Lächeln. Seine Goldzähne blitzten. Ich sah zu meiner Mutter. „Macht doch, was ihr wollt“, lallte sie und ging weiter rein. Ich sah ihr nach, ich hatte Angst, einfach nur Angst in diesem Moment. „Was…was haben sie mit mir vor?“ stotterte ich ängstlich. „Du wirst die Schulden abarbeiten.“ Mit diesen Worten zog er mich hinter sich her. Mit seiner zweiten Hand hielt er mir den Mund zu, damit ich nicht schreien konnte.


Heulend brach ich nach dieser Nacht vor Gustavs Haustür zusammen. Ich hatte meinen Körper verkauft. Für eklige, alte Männer, damit sie an mir rumspielen durften. Damit sie sich befriedigen durften. Wehren konnte ich mich nicht. Er hatte mir gedroht, dass er sonst jemand der mir ganz wichtig wäre, beseitigen würde. Das machte mir solche Angst, dass ich einfach tat, was er verlangte. Sogar als ich diese Vorkommnisse Gustav erzählte, schreckte er nicht zurück, selbst dann nahm er mich in den Arm. Er versprach mir, nichts seinen Eltern zu erzählen, es war mir peinlich, ich wollte das nicht. Es würde ja eh nur so lange dauern, bis ich die Schulden meines Vaters abgearbeitet hätte. Was mein Vater sich wohl früher bei dem Deal gedacht hatte? Ich konnte mir da einfach nichts vorstellen. Kein Mensch konnte doch so grausam sein, oder doch? Anscheinend. Ich hoffte nur, dass die Schulden nicht all zu hoch waren. Als ich an diesem Abend nach Hause kam, war meine Mutter wieder total breit vom Alkohol. Das blieb gleich, ich hatte Schmerzen, aber das war ihr egal, sie war sowieso in ihrem Suff abgerutscht. Sie wusste wahrscheinlich, was ich machen musste. Aber ich denke, es war ihr egal!

>>>>>>>>>>Flashback Ende<<<<<<<<<<<<<

Es vergingen ein paar Tage. Ich hatte diese Tage wohl mit Weinen verbracht. Heute wäre seine Beerdigung. Der letzte Tag im Leben eines Menschen wo er wirklich gewürdigt wird. Das streiten zwar meistens alle Menschen ab, aber eigentlich ist es doch so. Der einzige Tag wo ein Mensch noch mal von vielen Menschen die Aufmerksamkeit auf sich gezogen kriegt. Ich werde diesen Menschen den ich verloren hab, aber nie vergessen. Durch ein quietschen einer Eisentür schreckte ich aus meinen Gedanken geweckt auf. Gustav hatte das kleine Friedhofstor geöffnet. Langsam trat ich auf den Friedhofsweg. Die Schritte vielen mir so schwer. Hinter mir und Gustav gingen auch Bill, Tom, Georg und noch ein Haufen weiterer Freunde von Kevin. Ein paar Menschen standen schon vor der kleinen Friedhofskapelle. Wir gingen auf sie zu und stellen uns auch in unserer Gruppe hin. Ich weinte schon wieder, vielleicht auch immer noch. Dabei hatte ich mich heute extra noch einmal für ihn schick gemacht, aber die Schminke war schon lange wieder auf meinen Wangen und unter den Augen verteilt. Gustav stand immer neben mir, er ließ mich nicht alleine. Sein Arm den er immer um mich gelegt hatte stärkte mich. Durch ihn wusste ich einfach das dass ich nicht alleine sein würde. So einen Freund wie ich hatten nicht viele und ich wusste das dass mein Glück war. Schließlich hatte jeder Mensch irgendwann mal Glück im Leben und das sollte man auch nie los lassen und das hatte ich auch nie vor. Plötzliche Stille trat in die Gesellschaft vor der Kapelle ein. Kevins Eltern und seine kleine Schwester kamen den Friedhofsweg entlang. Ich schluckte, sie sahen schrecklich aus. Gut ich sah nicht besser aus, aber mich selber brauchte ich ja nicht betrachten. Seine Eltern kamen immer Näher. Sein Vater wirkte gefasst, hatte ein Arm um seine Frau gelegt. Da merkte ich wie Kevins Mutter auf mich zu kam und mich anblickte. Ich fing auf der Stelle wieder heftig an zu weinen. Mir tat das alles so Leid was passiert war. Seine Mutter hatte jeden Grund sauer auf mich zu sein, doch sie war es nicht. Sie nahm mich in ihre Arme. Ich legte auch meine Arme um sie und lehnte meinen Kopf auf ihre Schulter. „Danke, dass du meinen Sohn so lange glücklich gemacht hast.“ Sagte sie und presste sich ein leichtes Lächeln auf ihre Lippen und strich mir mit ihrer Hand über meinen Kopf. Ich konnte nicht antworten, es ging nicht. Aber sie verstand das. Dann ließ sie mich los und ging weiter. Seine Mutter war genauso herzenslieb wie Kevin gewesen, schon immer. Auch sie kannte meine Geschichte und es war ihr egal gewesen. Sie konnte damit leben, obwohl es eigentlich sonst als Abschaum der Gesellschaft angesehen wurde. Sie wollte mir auch immer helfen, dich da ich es nicht wollte ließ sie es bleiben, sie respektierte meine Wünsche. Immer mehr Leute versammelten sich auf dem kleinen Platz vor der Kapelle. Kevin war beliebt und das nicht weil er gut aussah. Nein er hatte seine Beliebtheit verdient. Er war zu jedem Menschen nett und freundlich und half jedem wenn er konnte. Außerdem sah er in jedem Menschen nur das gute und hatte gegenüber keinem Vorurteile. Wenn ein jemand runter gemacht wurde wollte er diesen Menschen erst recht kennen lernen. Aber seine größte Eigenschaft war zu merken wenn mit einem Menschen etwas nicht stimmte. Er bemerkte wenn jemand das magische Glänzen in den Augen verlor. Wie er es bei mir bemerkt hatte.

>>>>>>>>>>Flashback<<<<<<<<<<<

Seid einem Jahr machte ich schon diese scheiß Arbeit. Mittlerweile war ich 15 und ich hasste mein Leben nur noch. Mittlerweile wollte ich eigentlich meine Mutter beim Jugendamt anschwätzen, denn mittlerweile war auch der letzte Funke Liebe verflogen. Aber wenn ich das gemacht hätte wäre auch meine „Arbeit“ aufgeflogen und so mit wäre irgendwas Schlimmes passiert, das wusste ich. Deswegen ließ ich es bleiben. Gustav konnte meine Entscheidung nie verstehen, aber wenn ich meinte, dass es das richtige war wollte er mir nicht dazwischen funken, auch wenn er es alles schrecklich fand was ich durchmachte. Eines Morgens, ging ich wie jeden Tag zur Schule. Meine Noten waren tief abgesackt, aber was sollte ich machen? Ich hatte keine Zeit zum lernen, alle Lehrer wollten mit mir reden und die Ursache herausfinden, doch ich schwieg immer. Es klopfte an der Klassentür. Mein Lehrer öffnete sie. Ein junger Mann kam herein. „Du musst Kevin sein.“ Sagte der Lehrer. Der Junge, der wohl Kevin hieß, nickte. Unser Lehrer drehte sich zu uns um. „Ich habe ja erwähnt, dass wir wohl einen neuen Schüler bekommen würden und das hier ist er. Das ist Kevin, er war schon mal auf dieser Schule, war aber für ein Jahr mit seinen Eltern umgezogen und kam nun doch zurück.“ „Hallo.“ Lächelte Kevin uns allen zu. Die Mädchen fingen schon leise an zu quieken. Gut, schlecht sah er ja nicht aus, aber ich interessierte mich einfach nicht mehr für Männer. Ich hatte einfach zu viele andere Probleme. Er wurde sowieso gleich von allen anderen aus meiner Klasse umringt und ausgefragt. Da konnte der Lehrer nichts gegen tun, das war typisch meine Klasse. Sie waren eigentlich alle ganz lieb und alle kamen miteinander aus, aber wenn ein Neuer oder eine Neue in die Klasse kam wollten sie sich immer alle so anpreisen, dass er mit ihnen abhing.

Es war nachts. Meinen ersten Kunden hatte ich grade geschafft. Ich stieg aus seinem Auto. Mit gesenktem Kopf, es war mir peinlich und es tat weh, wie immer. Ich ließ mich erschöpft auf eine Bank die am Straßenrand stand fallen. Ich fühlte schon Tränen in mir aufsteigen doch ich unterdrückte sie. Ich wollte nicht weinen. Tränen zeigten nämlich Schwäche und außerdem würde ich verheult heute keinen weiteren Kunden bekommen. Nach ein paar Minuten der Erholung sagte plötzlich eine Jungenstimme „Hallo.“ Ich drehte mich um. „Hi!“ Es war Kevin, der Neue aus meiner Klasse. „Was machst du denn hier so spät nachts?“ fragte ich. „Ich wohne hier und bin noch mal ein wenig spazieren gegangen hier durch meine alte Stadt und du?“ fragte er und setzte sich neben mich auf die Bank. Dafür hätte ich ihn jetzt killen können, was sollte das denn. „Ja ich auch…“ log ich ihn an. Er blickte mich an. „Das stimmt nicht!“ sagte er dann. Ich sah ihn verwundert an. „Warum sollte das nicht stimmen?“ „Du hast gelogen und du bist auch irgendwie unglücklich das sieht man in deinen Augen, sie wirken so leer und das auch schon heute Morgen, das war das erste was mir aufgefallen ist, du stichst raus in deiner Klasse.“ Sagte er. Er verwirrte mich, aber irgendwie beeindruckte er mich auch damit und das von Wort zu Wort mehr. Ich konnte dazu auch nichts mehr sagen. „Du musst es mir nicht verraten du kennst mich ja auch gar nicht.“ Grinste er. Ich quetschte auch ein Lächeln auf meine Lippen. Ich weiß nicht warum, aber ich blieb bei ihm und das noch Stunden. Ich vergas das ich eigentlich noch Kunden brauchte um die Schulden ab zu arbeiten. Er ließ mich alles vergessen. Er hatte eine lockere und ehrliche Art an sich die mich nicht von ihm weg gehen ließ.
>>>>>>>>>>>>Flashback Ende<<<<<<<<<<<<<<

Ich saß neben der der Familie in der ersten Reihe der Kapelle. Vor mir stand sein Sarg. Ich blickte ihn die ganze Zeit an. Da drin lag schließlich mein Freund und schlief. Ich sollte mir nicht selber was vor machen, er schlief nicht. Er war tot! Ich wollte es nicht glauben, aber ich musste. Langsam standen die ganzen Anwesenden auf. Sechs junge Männer, darunter auch Gustav, gingen zum Sarg und hoben ihn hoch. Alle sechs waren gute Freunde von Kevin gewesen und wollten ihm eine letzte Ehre erteilen. Wir folgten ihnen langsam aus der Kirche. Es fiel schwer. Ich war froh, dass meine Beine mich noch trugen. Neben mir ging Kevins Mutter, die ununterbrochen weinte. Ich weinte grade nicht, starrte nur ununterbrochen auf den Sarg. Es wären wohl die letzten Moment die ich mit Kevin verbringen würde. Wir kamen an ein ausgeschaufeltes Grab. Langsam wurde der Sarg auf dicke Seile gelegt. Alle Anwesenden stellten sich davor. Gustav kam zu mir. „Alles okay?“ fragte er leise. Ich schüttelte mit dem Kopf. Er legte seine Hand auf meinen Rücken und strich mit ihr sanft immer wieder auf und ab. Langsam wurde der Sarg in den Boden gelassen. Nun merkte ich auch langsam wieder meine Tränen den Weg nach außen suchen. Doch ich weinte still und leise. Kevin wollte nie dass ich weine, also wollte ich es versuchen so gut es eben ging. Seine Mutter stand grade genau vor seinem Sarg mit einer Blume in der Hand. Sie schluchzte irgendwas und warf sie dann hinein. Dann nahm sie die Schaufel und schippte eine Schaufel voll Erde auf den Sarg. Danach tat sein Vater es ihr gleich. Kevins kleine Schwester, konnte überhaupt nichts reden, ihre Stimme blieb einfach weg. Sie konnte nichts dafür. Ich blickte zum Himmel. Die Sonne strahlte. Sie blendete etwas. Gustav griff nach meiner Hand. „Komm du bist dran.“ Sagte er leise. Wir gingen ein paar Schritte auf das Grab zu. Ich blickte hinab. „Danke Kevin, ich weiß, dass du nur für mich dein Leben aufgegeben hast, das wertvollste was ein Mensch überhaupt besitzt. Ich habe dich wirklich über alles geliebt, nein ich tue es immer noch und vergessen werde ich dich auch nie! Ich weiß nicht wie ich das ohne dich hier alles aushalten soll, aber ich weiß das du es nicht magst wenn ich schwach werde, also bleibe ich hier. Ohne dich! Aber irgendwann sehen wir uns wieder okay?“ Dann fing ich doch heftig an zu schluchzen. „Ich pass auf sie auf und ich lass sie auch nicht alleine. Wenn du vorher gewusst hättest was wahrscheinlich an diesem Abend passieren würde hättest du zu erst für Joleens wohl gesorgt, ich übernehme das. Wir werden dich alle vermissen.“ Sagte Gustav. Wenn Kevin vorher gewusst hätte was an diesem Abend passiert, hatte Gustav gesagt, hätte er für mich gesorgt. Gustav kannte Kevin, selbst wenn er wusste dass er sterben würde wäre er in dieser Nacht dort hingekommen. Selbst dann wäre er das Risiko eingegangen. „Ich liebe dich!“ schluchzte ich und warf meine rote Rose in das Grab. Gustav sah zu mir und nahm mich in seine Arme.

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Ich wusste nicht warum, aber dieses Treffen mit Kevin auf der Bank fand nun immer öfters statt. Immer wieder ging ich dahin und hoffte, dass er da wäre. Er war es auch. Er tröstete mich oft wenn ich nicht mehr konnte, obwohl er nicht wusste, wieso. Doch irgendwann erzählte ich es ihm und er antwortete nur mit einem „Ich hab mir da schon so was gedacht.“ Er schreckte nicht zurück, er nahm es so hin wie es war. An dem gleichen Abend passierte etwas komisches, etwas außergewöhnliches. Ich fühlte zum ersten Mal dieses Gefühl. Er kam mir immer näher und fing an mich zu küssen. Das kannte ich ja mittlerweile schon, aber zum ersten Mal fand ich es schön und angenehm. Zum ersten Mal wollte ich nicht zurück schrecken. Es kribbelte in meinem Bauch und mein Herz machte fast vor Freude einen Aussetzer. Es war ein komisches Gefühl und dass mir so was passierte konnte ich auch nicht glauben. Danach waren wir ein paar, ein Traumpaar eigentlich. Bis auf das ich immer noch nachts arbeiten ging. Ich führte ein Doppelleben, aber was sollte ich machen? Mir blieb nichts anderes übrig. Doch dann kam dieser Abend. Diese eine Nacht, die ich wohl nie in meinem ganzen Leben vergessen werde. Ich kam grade von meinem ersten Kunden wieder mit dem Geld in der Tasche. Ich bog grade in die Straße ein wo mein Zuhälter immer auf mich wartete. „Linchen?“ rief mich auf einmal wer im Flüsterton. Ich drehte mich um. „Was machst du denn hier?“ fragte ich Kevin etwas aufgebracht. „Dich retten! Das kann so nicht weiter gehen.“ sagte er. „Kevin was auch immer du vorhast lass es doch sein, du weißt ganz genau warum ich es nicht will.“ Bittete ich ihn. „Nein, es reicht, irgendwer muss doch dagegen was tun!“ „Bitte Kevin lass es…“ Ich wurde unterbrochen. „Joleen?“ eine ernste tiefe Männerstimme rief nach mir. Ich drehte mich sofort um und ging auf ihn zu. Ohne groß was zu sagen hielt ich ihm das Geld hin, was ich vom letzten Kunden bekommen hatte. Er riss es mir aus der Hand und zählte es schnell durch. „Gut, aber ich habe dir was gesagt.“ Sagte er streng wie immer. „Du sollst nicht mit irgendwelchen Leuten sprechen!“ Sofort gab er mir eine Ohrfeige. Mein Kopf flog zur Seite. Ich hielt mir meine Wange. Es tat weh, dieser Kerl hatte einfach genug Kraft um jeden fertig zu machen. „Also halt dich dran, oder ich muss deinem hübschen jungen Gesicht noch mehr antun.“ Er faste mir ans Kinn und riss mein Kopf wieder zu ihm. Er sah mich an. „Hätte dein Vater sich mal nicht erwischen lassen, dann wüsste er jetzt was er für eine begabte Tochter er gehabt hätte und hätte mit ihr sehr hohen Gewinn gemacht!“ Langsam strich er mit seinen schmierigen Händen meinen Hals entlang. Ich schloss die Augen, ich wollte das nicht er sollte es sein lassen! „Lassen sie sie los oder ich ruf die Polizei!“ hörte ich hinter mir eine Stimme rufen. Es war eindeutig Kevins. „Oh ein kleiner Retter?“ sagte der Kerl hinter mir trocken. „Hier du kannst sie haben.“ Rief er noch und schubste mich zu Kevin hin. Ich lief sofort zu ihm. Ich griff nach seiner Hand. Mein Zuhälter drehte sich um und ging. Es war ein komisches Gefühl, warum tat er denn nichts oder drohte uns? „Komm…“ sagte Kevin und legte einen Arm um mich. Wir drehten uns um und wollten gehen. Dann ein lauter Knall und fühlte nur noch wie Kevin neben mir zusammen sank.
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Nach der Beerdigung kamen wir zu Hause bei Gustav an. Er sollte nicht das ich nach hause ging zu mir. „Da würde eh nur deine Mutter besoffen in der Ecke hängen.“ Hatte er gesagt und damit wahrscheinlich auch recht gehabt. Ihr war nicht mehr zu Helfen, es war mehr als nur eine Alkoholkrankheit. Ich selber hatte dazu eh keine Kraft mehr ihr zu Helfen. Gustav und ich saßen bei ihm im Wohnzimmer und schweigen. Er hatte uns was zu trinken geholt und zu essen. Doch beides blieb unangerührt. Es ging in Moment nicht. Wir beide hingen zu sehr unseren Gedanken nach. Gustavs Mutter kam rein. Sie blickte uns beide an. Dann kam sie zu mir und schloss mich in ihre Arme. „Auch wenn das so unecht klingt, aber es wird auch wieder bessere Tage geben.“ Sagte sie. Es war schon komisch. Gustav war eigentlich ihr Sohn, sie hätte zu erst zu ihm gehen müssen, weil er schließlich auch trauerte. Aber sie tat es nicht und Gustav war ihr deswegen auch nicht böse. Wahrscheinlich weil Gustav und ich uns schon so gut kannten das er wusste das seine Mutter mich schon fast als ihre Tochter ansah und sie merkte das ich damit wohl weniger klar kam. „Außerdem passt Kevin jetzt besonders auf euch alle auf! Vielleicht spürt ihr es manchmal wenn ich ganz genau drauf achtet.“ lächelte Kirsten. Ich sah zu Gustav. „Sie hat Recht Joleen.“ Sagte er. Ich nickte leicht. „Außerdem hat er dich aus deinem Horror herausgeholt und anderen Menschen damit die Augen geöffnet.“ Sagte Kirsten. Ich blickte sie irritiert an, ich wusste nicht genau was sie damit sagen wollte. „Wir hätten dir wahrscheinlich alle schon viel früher helfen müssen. Schließlich wussten wir es alle. Auch wenn du es nicht wolltest.“ Erklärte sie. „Ja und wir hätten zu Polizei gehen müssen und der sagen das dein Vater noch einen Komplizen hatte der das ganze weiterführt.“ Meinte nun auch Gustav. „Er ist nicht mehr mein Vater…“ flüsterte ich. „Ich will ihn nie wieder sehen und auch keinen Kontakt mehr mit ihm haben, wegen ihm ist Kevin gestorben, da nützt auch kein „wir hätten das machen sollen“ oder „Hätten wir das gemacht wäre es jetzt so und so!“ Es ist zu spät, ich hasse ihn!“ sagte ich leise weiter. „Wegen ihm musste ich auf dem Strich arbeiten, er hat mein ganzes Leben zerstört. Wegen ihm ist meine Mutter zur Säuferin geworden, aber was heißt schon Mutter für mich ist sie das auch schon lange nicht mehr.“ Sprach ich meine Gedanken frei aus. „Ich weiß.“ Sagte Kirsten. „Deswegen wollten wir dir auch einen Vorschlag machen, wir haben da schon lange drüber geredet, nicht nur Gustav und ich sondern auch mein Mann. Doch jetzt war uns einfach klar das es sein muss.“ Erklärte sie mir und fragte gleich danach „Hättest du was dagegen wenn wir dich adoptieren würden?“ Sofort blickte ich sie an. Lachen und freuen konnte ich mich nicht wirklich, aber doch vor Freude weinen kriegte ich noch hin und tat das auch gleich. „Ja, will ich!“ sagte ich und fiel ihr und ihrem Sohn Gustav, meinem besten Freund, um den Hals.

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Kevin viel hin. Sofort ließ ich mich zu ihm sinken. „Kevin was ist los?“ fragte ich total aufgebracht und da sah ich schon eine riesen Schusswunde hinten auf seinem Rücken. Ich drehte ihn zu mir. „Kevin? Kevin?“ fragte ich und schlug ihm ins Gesicht, auf seine Wangen. Er öffnete die Augen. Ich sah zu meinem Zuhälter der nur noch verschwand. Kevin sah mich schwach an. „Oh mein Gott.“ Schrie ich fast und fing sofort an zu weinen. Eine Nachtjoggerin kam angelaufen. Sie sah uns an und kramte gleich ihr Handy raus. Doch ich konnte nicht zu ihr schauen zu sehr war ich auf Kevin fixiert dessen Augen sich immer weiter schließen. „Kevin bleib wach, bitte!“ bat ich ihn. Er öffnete langsam seinen Mund. „Jo…Joleen… ich… ich liebe dich!“ sagte er unter schwerer Atmung. „Ich dich auch, behalt einfach nur die Augen auf, bitte!“ Ich redete weiter auf ihn ein. Man sah wie seine Augen immer glasiger wurden. Ich legte seinen Kopf auf meine Beine. „Kevin du schaffst das bitte hör mir nur zu.“ Doch ich merkte auf wie er von Sekunde zu Sekunde immer weiter abschweifte von mir. „Küss mich…“ sagte er schwach. Ich beugte mich zu ihm und begann ihn zu küssen. Ich merkte wie ich zitterte und wie meine Tränen meine Wangen hinunter rollten. Dann sah ich ihm noch ganz tief in die Augen. „Es… es tut mir Leid.“ Schluchzte ich. „Es tut mir so Leid.“ Kevins Hand wanderte zu meiner Wange. Ich legte meine auf seine Hand. Er quetschte sich unter seinen unerträglichen Schmerzen, die er haben musste, ein Lächeln auf die Lippen. „Muss es nicht…“ sagte er gebrochen. Langsam nahm ich seine Hand von meiner Wange und hielt sie ganz fest in meiner. „Ich kann nicht mehr.“ Flüsterte er so leise, dass es fast unverständlich war. „Doch du kannst!“ sagte ich, er durfte nicht gehen. Ein leichtes Kopfschütteln seinerseits war zu sehen. „Ich liebe dich!“ sagte er erneut. „Ich dich auch.“ Schluchzte ich. Dann sah man nur noch wie seine Augen kurz anfingen zu flackern und sie dann langsam zugingen. „Kevin, nein bleib bei mir! Bleib hier!“ Ich sank über seinen Leblosen Körper zusammen. Ich merkte wie sein Brustkorb sich nicht mehr hob und senkte wenn er Atmete, er atmete einfach nicht mehr. Im Hintergrund hörte ich den Krankenwagen ankommen. Doch das interessierte auch nicht mehr, mich zumindest nicht. Ich wusste, dass Kevin tot war, mir war es klar, irgendwo in mir war es mir klar. Auch wenn ich es eigentlich nicht glauben wollte. Ich merkte nur noch wie mich jemand von Kevins Körper wegzog und mir eine Decke über die Schultern legte. Von meinen Tränen verschwommen sah ich ein paar weiß angezogene Menschen bei Kevin. Doch, dass selbst die nicht mehr halfen wusste ich auch.

Ich weiß nicht wie, weshalb oder warum! Aber kurze Zeit später fand ich mich im Krankenhaus wieder. Mir wurde erzählt, dass sie den Zuhälter gefasst haben, doch selbst das war mir egal. Wie alles andere außer Kevin! Das letzte was ich am Unfallort noch bemerkt hatte war ein Stich in meinen Arm für eine Beruhigungsspritze. Ich saß neben Kevin. Leise lag er da. Ganz ruhig, seine Augen geschlossen, seine Hand in meiner….
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