Jubi-Storys
Warum?
Es war doch für ihn
Thema Nr. 1
Ich wünscht ich wär ein Engel....
One Night in Magdeburg
PS: Ich liebe dich!
Beautiful
I hate this Song
Es tut mir Leid
Ich erinnere mich an die Zeit...




Wieder stehen alle in dem Saal und klatschen mir zu. Ich stehe vorne und verbeuge mich wie immer. Wieder konnte ich die Leute alle begeistern von meinem können. Darf ich vorstellen, Jacky ist mein Name. Ich war das Wunderkind in der klassischen Musik, ich füllte selber Hallen nur mit meinem können am Klavier. Mit meinen 18 Jahren hatte ich jetzt schon so viel geschafft, wovon andere nur träumten. Alle sagten ich würde große Karriere machen und mich würden in ein paar Jahren alle kennen. Okay das klang jetzt alles ein wenig eingebildet, aber ich war es nicht, eigentlich kein bisschen. Ich war auch nicht das große Wunderkind meiner Meinung nach. Meine Mutter war nur selber einmal eine große Pianistin und hat mich so früh es ging auf dem Klavier klimpern lassen und es mir beigebracht. Später wurde es eher zur Last, da sie mich dazu zwang es zu können. Ich sollte das schaffen was sie nicht schaffte, nämlich den großen Durchbruch. Meine Mutter war immer gut in dem was sie tat, es kannten sie auch viele, aber nur in der Umgebung und weiter kam sie nicht und genau das sollte ich jetzt verwirklichen, weil sie meinte das sie es nicht mehr könnte, da sie ja eine Tochter hat, die nun mal ich war. Eigentlich war ich schüchtern und zurückhaltend, doch wenn ich hinter dem Klavier saß, verschwand das alles. Das Klavier spielen machte mir ja auch Spaß, aber es war einfach nicht mehr ein Hobby, es war mein Leben. Meine Mutter hat es zu meinem Leben gemacht. Wir hatten keinen festen Wohnsitz mehr. Früher lebte ich mal Hamburg, aber meine Mutter ist der Meinung ohne Reisen wird das mit der Karriere nichts. Es ist jetzt nicht so, dass meine Mutter ein schlechter Mensch war, ich liebte sie wirklich, aber manchmal verlangte sie schon sehr viel von mir. Gut eins hatte sie geschafft, ich war bekannt, zumindest bei allen Menschen die klassische Musik mochten. Wir waren grade in Köln. Ich ging von der Bühne und lächelte zufrieden. Mein Auftritt war mir wieder gut gelungen. Doch so bald das Licht aus war merkte ich wieder, wie nach jedem Auftritt, das diese Musik gar nicht das ist was ich mochte oder besser gesagt das was ich wollte. Ich wollte meine eigenen Lieder spielen und auch singen. Für meine Mutter klangen diese Träume immer absurd, sie lebte in der klassischen Musik, andere Musik hörte sie nicht und wollte sie auch nicht kennen lernen. In der Sicht war sie streng. Schließlich träumte sie schon davon die erfolgreichste Pianistin der Welt zu werden, nun sollte ich es halt übernehmen. In der Hinsicht konnte man nicht mit ihr reden. Ich setzte mich in den Bus, mit dem wir überall hinfuhren. Meine Mutter kam zu mir. „Du warst fabelhaft! Außer die ein, zwei Male wo du die falsche Taste getroffen hast, aber das hat keiner gehört.“ Sagte sie glücklich und strich mir über mein langes glattes braunes Haar. Ich nickte, „Danke Mama…!“ „Na wenn das kein Hammer Auftritt war!“ kam auf einmal eine begeisterte Männerstimme in den Raum. Es war Norman. Norman war mein Manager. Er war lustig, er machte immer Späße wenn man schlecht gelaunt war. Er war so um die 40 Jahre, aber war total jung geblieben für sein Alter. Er half mir oft, vor allem dann wenn meine Mutter mir wieder mal etwas verbieten wollte, weil ja der Ernstfall eintreten könnte. Der Ernstfall war bei meiner Mutter, dass ich mir irgendwas in meinen Armen oder in den Händen brechen könnte und für eine Zeit ausfallen könnte und schlechter spielen könnte als vor dem Bruch. Norman hatte meine Mutter aber schon öfter rumgekriegt, z.B. durfte ich den letzten Winter Ski fahren, was für mich wirklich ein großes Wunder war. Norman wusste dass ich gerne mal etwas Moderneres spielen würde, ich hatte ihm schon oft davon erzählt. Er hatte immer Verständnis dafür gezeigt, doch bis jetzt konnte er nie etwas tun. „So meine beiden Damen! Monika setze dich doch mal.“ sagte er. Monika war meine Mutter, aber sie setzte sich nicht. Sie war immer im Stress, den brauchte sie auch. Er blickte uns beide an. „Ich hab eine neue Anfrage bekommen, was eigentlich sehr interessant klang.“ Da setzte sich meine Mutter dann doch hin. Anfrage, hieß gleich neue Konzerte, also eine neue Aufgabe für mich. Da war meine Mutter immer hinterher. „Und zwar… eine Band, die jeder kennt, möchte ein Unplugged Konzert spielen, also mit Geigen und allem drum und dran. Sie wollen aber natürlich nur die Besten der Besten um sich rum haben, na ja sagen wir die Plattenbosse, weil was soll man mit Anfängern. Und da ich Jacky’s Aufgenommen Sachen da hin geschickt hatte, haben sie sich bei mir gemeldet und wollte Jacky dort als Pianistin spielen lassen.“ Erklärte er. „Nein für so einen Kinderkram haben wir gar keine Zeit.“ Schmetterte meine Mutter das Angebot gleich ab. „Warte doch erstmal, für welche Band überhaupt?“ „Tokio Hotel. Kennst du oder?“ Sagte er. Natürlich kannte ich sie, ich wohnte schließlich nicht hinterm Mond. Aber mir war egal welche Band es war, es hätten auch die Backstreet Boys sein können, mir machte so etwas nichts aus. Ich wusste, dass alles nur Menschen war und dass hinter ihrem Erfolg eine Menge Arbeit steckte. „Ja kenn ich.“ Sagte ich in einem normalen Ton, dann sah ich zu meiner Mutter „Bitte können wir das nicht einmal mit machen?“ Meine Mutter schüttelte mit dem Kopf. „Was bringt dir dieser Pop-Musik kram? Für dich lohnt sich das doch gar nicht!“ redete meine Mutter gleich auf mich ein. „Aber Mama, ich stelle mir das lustig vor!“ „Nein Jacky! Vergiss es, wir könnten dagegen schon wieder 4 Konzerte oder so spielen, schon alleine die Proben für diesen Auftritt und außerdem wärst du da nur eine Nebenperson und nicht die Hauptperson und das hilft doch bei unserer Karriere nichts!“ Wie ich es vorhin erwähnt hatte, meine Mutter war gegen alles. „Unsere Karriere?“ fragte ich. Mich machte es traurig wenn sie so war, wenn sie so gegen alles war. „Mama, es ist deine Karriere, die ich für dich leben soll, aber ich will das nicht mehr! Ich bin 18 ich kann selber entscheiden was ich machen will und was nicht und ich will dieses Unplugged Konzert spielen!“ Ich hatte nun Tränen in den Augen. „Ja du bist 18 und volljährig das mag stimmen, doch was eine Karriere ausmacht das weißt du nicht!“ fing sie an mich an zu meckern. „Ja und du hast keine Ahnung was mir Spaß macht und wie man eine Mutter ist!“ Ich musste aufstehen, ich konnte nach dem gesagten nicht dort sitzen bleiben. Eigentlich schockte es mich grade eher selber das ich überhaupt etwas gesagt hatte. Normalerweise traute ich mich nicht, meine Mutter hatte mich normalerweise fest im Griff, doch heute nicht! „Jacky!“ rief mir der geschockte Norman noch hinterher, aber ich stieg aus dem Tourbus aus. Ich ging wieder hinein in die Halle in der ich vor einer Stunde noch meinen Auftritt hatte. Es standen noch die Stühle im Saal. Ich setzte mich an den Bühnenrand. Ich blickte durch den Raum, hinter mir waren Männer die meinen Flügel von der Bühne und Transportfähig machten. Warum konnte meine Mutter mich nicht verstehen? Oder konnte ich sie nicht verstehen? Ich wusste es nicht, aber andere Mütter machten alles damit ihre Töchter glücklich waren und bei mir? Na mir kam es öfters vor wie das Gegenteil, das sie alles tat das ich unglücklich war. Ich wischte mir ein paar Tränen unter den Augen weg, die grade anfingen zu flossen. Ich wollte nicht weinen, weil eigentlich kannte ich es doch gar nicht anders und die letzten Jahre habe ich es ja auch überlebt. „Jacky?“ Ich drehte mich um. Norman stand hinter mir. „Darf ich mich zu dir setzen.“ „Klar…“ sagte ich mit kratziger Stimme. Er setzte sich zu mir an den Bühnenrand. „Du darfst das Unplugged Konzert spielen!“ sagte er. Ich sah ihn sofort mit großen Augen an. „Bitte was? Warum das?“ „Ich hab deiner Mutter erzählt das es im fernsehen ausgestrahlt wird und auch wenn du nur eine Nebenrolle in dem Stück spielen würdest dich viele Menschen sehen würden und das auch gute Werbung für dich ist.“ Erklärte Norman. Ich nickte, „ach so.“ Sagte ich und sah wieder in den Saal. „Hey, was ist los?“ „Ich dachte sie hat es sich mal um überlegt, weil ich es so wollte, weil ich den Wunsch hatte, aber… aber darauf kann ich wohl noch lange warten.“ Ich sank den Kopf. „Jacky, jeder Mensch ist anders und deine Mutter ist nun mal so, die kann man nicht auswechseln, wenigstens konnten wir sie überreden und du kannst dieses Konzert spielen weil du Lust dazu hast und sie hat auch was davon.“ Sagte Norman und zog mich mit einem Arm an sich ran. Ich legte meinen Kopf auf seine Schulter. Norman war einfach meine Familie. Er war ein Mensch mit dem ich über alles reden konnte. So was wie ein Vater, aber andererseits doch eher mein bester Freund. „Meinst du nicht, dass eine Mutter auch mal den Wünschen ihrer Tochter folgen sollte?“ Ich sah ihn an. „Natürlich meine ich das, aber deine Mutter war halt nie dazu geschaffen Mutter zu werden, aber sie ist es nun und versucht ihr Bestes.“ Ich verdrehte etwas die Augen. „Ihr Bestes ist aber wirklich kein bisschen annährend an den Vorstellungen die ich von einer Mutter habe.“ Norman strich mir über den Kopf. „Du hast es bis hier hin mit ihr geschafft, dann schaffst du auch den Rest.“ Ich nickte etwas. Er stand auf und hielt mir seine Hand hin, damit er mich hoch ziehen konnte. Ich sah noch ein letztes Mal in die große Halle. Dann griff ich nach seiner Hand und er zog mich hinauf. Zusammen gingen wir wieder zurück zum Bus.

Es verging ein Monat und wir kamen zum ersten Mal bei einem großen alten stillgelegten Theatersaal an. Hier sollte das Unplugged-Konzert stattfinden. Ich stieg aus dem Auto. Meine Mutter die immer noch skeptisch dieser Sache gegenüberstand war hinter mir. Norman kam auf uns zu. „Hallo, da seid ihr ja endlich.“ Lächelte er. Ich nickte freudig. Er nahm uns beide an die Hand, wie so oft. Er nannte uns auch oft seine Frauen. Norman hatte sonst keine Familie und er war nicht nur wie ein Vater für mich, ich war auch wie eine Tochter für ihn, aber auch zeitgleich war er mein bester Freund. Er führte uns durch einen langen alten Flur, mit schönen Verzierungen an den Wänden, wie man es sich in einem alten Theater vorstellte. Dann gingen wir noch durch einen Vorhang. Mir blieb fast die Luft weg, von dem was ich nun sah. Dieser Saal war wunderschön, ich meine ich hatte durch die Klassische Musik schon haufenweise schöne Sääle gesehen, aber dieser hier wirkte einfach wirklich antik. Er wurde nicht nachgestellt, das man dachte er wäre alt, nein er war es wirklich. An manchen Balken fehlte an vielen Stellen schon die Farbe die abgeplatzt war. Die Pfeiler wurden mit vielen Kleinigkeiten und Verschnörkelungen gebaut. Ich war wirklich total überrascht. „Ist alles, ziemlich staubig hier.“ Sagte meine Mutter und hustete etwas künstlich. „Es ist wunderschön Mama!“ platzte es mir nur so heraus. „Findest du? Alles etwas sehr alt und baufällig.“ „Nein, wunderschön!“ ich sah immer noch mit großen Augen in den großen Saal hinein. „Monika, komm dort hinten ist ein Direktor der Informationen über das Konzert preisgibt.“ Sagte Norman. Meine Mutter folgte ihm natürlich sofort. Ich stand immer noch mit großen Augen auf der Bühne und sah von hier oben diesen wunderschönen Saal an. Auf der Bühne standen schon eine Menge Instrumente, wie zum Beispiel Geigen und auch ein Schlagzeug. „Es ist schön hier, findest du nicht auch?“ fragte auf einmal eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich geschockt um. Ein schwarzhaariger Junge stand vor mir. Er hatte lange Haare und eine schwarze Trainingshose an. „Ja…“ sagte ich immer noch geistesabwesend. Ich war einfach geplättet. „Oh Entschuldigung, wo sind meine guten Manieren.“ Grinste ich und ging auf den Jungen los, „Hallo, mein Name ist Jacky.“ Lächelte ich ihm entgegen. „Hi, ich bin Bill, aber das weißt du sicher.“ Sagte der Junge freundlich. „Du bist doch…“ „Ja ich bin der Sänger von Tokio Hotel, schrei oder mach sonst was.“ Er verdrehte die Augen. „Warum sollte ich schreien?“ „Weil es jedes Mädchen tut das mich oder uns sieht.“ Er lächelte mich frech an. Ich sah ihn etwas irritiert an. Auf dem ersten Moment kam er mir wirklich nett rüber, aber dies klang alles etwas überheblich. Er strich sich ein paar Haare aus dem Gesicht. „Ähm, nein danke, ich werde mal zum Klavier gehen.“ Sagte ich und sah ihn beim umdrehen noch etwas skeptisch an. „Ach spielst du hier das Klavier?“ fragte er. „Ja…“ sagte ich leise und ging weiter. „Hallo? Ich habe dich was gefragt!“ sagte er nun etwas lauter. Ich drehte mich um. „Ja, ich habe auch was geantwortet!“ sprach ich genauso laut zu ihm zurück. „Wie redest du mit mir? Willst du diesen Job nicht haben?“ Er kam langsam auf mich zu. „Dann wäre ich nämlich mal viel netter, was meinst du wie viele kleine Mädchen diesen Job gerne hätten.“ Er sah mich abfällig an. Ich blickte nur etwas fassungslos. „Ich rede ganz normal mit dir, wenn du mir eine so hochnäsige Frage stellst, gibt es auch eine genauso dumme Antwort. Und ja ich möchte diesen Job haben, aber weil ich dachte ich könnte Spaß dran haben, was ich aber grade ganz stark bezweifle.“ „Meinst du nicht du solltest dich nicht so weit aus dem Fenster lehnen?“ fragte er mich und wollte sich grade umdrehen. „Stopp mal! Meinst du, du bist was Besseres nur weil du fast auf der ganzen Welt auf Platz 1 in den Charts bist?“ sprach ich nun meine Gedanken aus. Er drehte sich wieder zu mir. „Ich glaube es nicht nur, so viele Menschen lieben mich, da kann man sich schon mal als was Besseres fühlen oder nicht?“ Er sah mich an. Ich schüttelte langsam mit dem Kopf. „Nein, kann man nicht, denn alle Menschen sind gleich egal ob bekannt oder nicht. Meinst du nicht das jeder Mensch gleich geschätzt werden sollte?“ Bill fing nur an zu lachen, „mit was rede ich denn hier, mit irgend so einem Mädel, das keine Ahnung vom berühmt sein hat oder mit einer Psychotante.“ „Wie kann Erfolg einen Menschen so zerstören, ich bin für dich vielleicht irgend so ein Mädchen, aber ich weiß wie es ist bekannt zu sein und ich bin stolz darauf was ich geschafft habe, aber trotzdem behandle ich doch andere Menschen nicht so abfällig. Wer so was macht ist arm, denn er hat nicht die Stärke sich um andere Menschen zu kümmern, da er nur mit sich selber beschäftigt ist! Kein Mensch ist unbedeutend so lange er sich selbst treu bleibt!“ Ich sah ihm ganz tief in die Augen. Sein lachen verblasste etwas. „Aber, ich unbedeutenes kleines Wesen, was durch jedes Mädchen ersetzt werden kann gehe nun zum Klavier.“ Äffte ich ihn noch etwas nach und drehte mich um. Ich kam mir etwas doof vor. So einem Menschen wie eben stand ich noch nicht gegenüber und wenn ich bin ich solchen Menschen aus dem Weg gegangen. Ich ging langsam um meinen Flügel herum und setzte mich auf den Hocker. Ich sah noch einmal zu der Stelle auf der Bill grade stand, er war weg. Man sah noch ein wenig wie der Vorhang hin und her schwang. Ich musste noch einmal ein wenig mit dem Kopf schütteln, es war für mich einfach unverständlich. „Jacky!“ rief meine Mutter. Ich sah zu ihr. „Spiel doch einmal für den jungen Herren hier, er möchte sich von deinen Künsten überzeugen.“ Sie deutete auf einen Mann, der neben ihr stand. Ich tat was sie sagt, sie hatte sowieso schon mit dieser Veranstaltung zu kämpfen, dann konnte ich auch wenig was für sie tun.

Es war 1:00Uhr nachts und ich konnte nicht schlafen. Leise stand ich noch einmal aus meinem Bett aus. Ich beschloss mich noch einmal in den großen Saal zu begeben, schließlich war er so wunderschön und ich konnte mich an ihm einfach nicht satt sehen. Langsam ging ich hinein. Ich schaltete den einen Schweinwerfer ein, damit ich nicht ganz im Dunkeln saß. Ich setzte mich wieder auf meinen Hocker. Ich klappte ganz langsam den Deckel der Tasten nach oben. Ich sah auf die Tasten. Langsam strich ich über sie. Von den tiefen zu den Hohen Tönen. Über mich kam ein Lächeln. Ich liebte das Klavier spielen. Ich kramte ein Zettel aus meiner Hosentasche. Darauf war eine Balade, die ich selber geschrieben hatte. Ich stellte sie auf das Notenhaltebrett. Den Text hatte ich immer bei mir und spielen tat ich ihn auch nur wenn ich ganz alleine war. Doch ich mochte ihn so sehr. Ich legte meine Finger auf die Tasten und begann langsam die ersten Tasten hinunter zu drücken. Leise begann ich nun auch zu singen.
„Ich erinnere mich an die Zeit
In der ich noch klein war
Es ist schon lange her
Ich gucke dich nur an, immer wieder
Und merke die zeit ist vorbei
Sie ist vorbei

Ich merke wie wir uns trennen
Wie du mir davon gehst
Die zeit in der wir so viel spaß hatten
Ist nun vorbei
Ich würde wirklich alles tun
Damit sie wieder kommt
Denn der Punkt den du immer vergisst, der Punkt den du vergisst
Ist wie es war…“
Langsam nahm ich meine Finger von den Tasten. Ich schaffte es selten das Lied ganz durch zu spielen, denn es ging mir sehr nahe, genauso wie heute. Ich brach langsam und leise ab. Plötzlich schreckte ich durch ein laut hallendes Geklatsche hoch. Ich blickte mich um und sah jemanden auf einen der alten Balkonplätze stehen. Ich stand auf, ließ diese Person aber nicht aus den Augen. Meine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit und ich konnte erkennen, dass es Bill war. „Was ist?“ rief ich zu ihm hinauf, es hallte in dem großen Raum, sodass ein Echo entstand. „Willst du mir jetzt erzählen wie schlecht ich war und das du großer Texteschreiber viel besser bist als ich?“ fragte ich. Er ging langsam los, doch ich hörte ihn mir zu rufen. „Warum denkst du, dass ich so ein schlechter Mensch bin?“ Ich konnte ihn nicht mehr sehen, aber ich wusste dass er grade die Treppe hinunter kam. „Vielleicht denke ich das ja gar nicht, vielleicht denke ich einfach nur, dass du dich schlecht gibst! Das du eigentlich ganz anders bist!“ Da erschien er wieder, er ging den Gang zwischen den Sitzen entlang. „Woher willst du das wissen, du kennst mich doch gar nicht!“ fragte er. „Nein, aber ich denke so wie du dich benimmst ist kein Mensch, außerdem weiß ich es ja nicht ich denke es nur und hoffe es.“ Ich stand weiter auf der Bühne neben meinem Flügel. Er kam die fünf Stufen nun hinauf die zur Bühne führten. „Warum hoffst du es?“ fragte er nun weiter. „Weil ich hoffe das du nicht alle verarscht die dich lieben.“ Er blieb drei Meter vor mir stehen. „Worum geht dein Lied? Es klang traurig.“ „Stimmt, aber das ist mein Lied. Was machst du überhaupt noch so spät hier?“ fragte ich nun endlich auch mal was. Bill zuckte mit den Schultern. „Ich denke dasselbe wie du, ein bisschen nachdenken!“ Ich blickte ihn an. „Das kannst du…“ lächelte ich etwas. „Denkst du ich bin dumm?“ fragte er direkt. Ich zuckte mit den Schultern. „ich denke der Erfolg hat dich dumm und gefühllos gemacht.“ Antwortete ich ihm dann aber doch. „Nein, das stimmt nicht!“ sagte er nun. „Aber noch einmal zurück zu deinem Lied!“ „Da gibt es nichts, ich gehe nun schlafen, es ist spät solltest du vielleicht auch machen.“ Sagte ich zu ihm. „Vielleicht!“ antwortete er leise. „Gute Nacht.“ Sagte ich zu ihm. „Gute Nacht!“ antwortete er mir auch. Ich drehte mich um und ging. Ich hatte ihn zum nachdenken angeregt. Warum auch immer. Mit was auch immer.

Es war ein neuer Tag. Der zweite Tag. Ich lernte alle kennen und sagte jedem auch persönlich Hallo. Ich fand es wichtig jeden persönlich kennen zu lernen, denn nur so ließ es sich gut zusammen arbeiten. Danach setzte ich mich wieder hinter mein Klavier. Meine Hände spielten wie alleine. Zusammen mit dem kleinen Orchester spielten wir alle Lieder einmal durch. Es klang gar nicht so schlecht, man merkte dass jeder viel für diesen Tag übte. Für dieses Konzert. Im Orchester kannten mich viele Menschen, aus Erzählungen oder sie waren schon mal zu einem Konzert von mir gekommen. Komplimente von ihrer Seite schmeichelten mir natürlich sehr, aber nach dieser ersten Probe konnte ich diese Komplimente eigentlich nur zurückgeben. Sie waren alle super und man merkte das auch jeder Spaß an der Arbeit hatte. Meine Mutter saß die ganze Probe auf einem der Publikumssessel. Sie ließ mich nie aus den Augen, auch wenn sie dieses Konzert immer noch für sinnlos empfand. Doch das war mir egal. Ich blühte in der Musik richtig auf und merkte in mir selbst, dass es mir noch einmal so ein Anstoß gab noch besser in meinem Instrument zu werden. Es dauerte nicht lang da kam die Band dazu. Bill ging vor weg. Er sah mich kurz an, sah aber auch genauso schnell wieder weg und schaute zu den anderen Musikern. „Sie spielen also alle mit uns in knapp einer Woche.“ Alle nickten. Ab und zu sah man ein Mädchen lächeln, außerdem hatten sie alle nur so funkelnde Augen. Sie sahen ihn alle wie gebannt an, als wenn er hingehen könnte und die so manipulieren könnte wie er sich sie wünscht. Es nervte mich etwas, weil ich irgendwie wusste, dass Bill so was ausnutzte. Ich hatte so was einfach im Gefühl. „Na dann legen wir doch mal mit dem Proben los.“ Sagte Bill noch und setzte sich auf seinen Hocker. Er enttäuschte mich, obwohl ich es nicht anders erwartet hatte. Es kamen keine aufbauenden Worte von ihm, es kam nichts was den Zusammenhalt förderte. Man merkte, dass er mit den ganzen Mädchen die aufgeregt mit ihren Instrumenten dort saßen kein Kontakt aufbauen wollte. Ihm war egal was sie taten. Hauptsache war sie spielten die Lieder richtig und gut. Doch das war den Mädchen egal, so verträumt wie sie die Jungs ansahen, konnten diese alles tun, sie anschreien oder runter machen, sie hätten alles getan für diese vier Jungs. Es sollte mir egal sein, ich konzentrierte mich wieder auf mein Instrument. Das Klavier.
Es wurde Abends. Genauso wie letzte Nacht reizte es mich noch einmal in den großen Theatersaal zu gehen. Vielleicht wäre ich ja heute alleine und könnte noch einmal ganz für alleine spielen. Langsam schlich ich hinein, machte das Licht an, wie am vorigen Abend. Ich lief zu meinem Flügel und setzte mich an ihn. Ich wollte grade die ersten tasten hinunter drücken. Doch ich wurde gestört. „Hallo Jacky, ich hatte gehofft das du heute Abend wieder kommst.“ Ich drehte mich um. Auf einen der Zuschauerplätze saß Bill und sah zu mir. „Was machst du denn hier? Brauch ein Star nicht seinen Schönheitsschlaf?“ versuchte ich ihn etwas zu ärgern. „Hör auf da mit.“ Sagte er. „Warum?“ fragte ich. „Weil ich nicht der bin für den du mich hältst, ich muss zu geben du hast mich zum nachdenken angeregt. Du bist schuld das ich die ganze letzte Nacht nicht geschlafen hatte.“ Ich musste grinsen. Es freute mich etwas, da ich es gehofft hatte, dies zu schaffen, obwohl ich ehrlich noch nicht so ganz dran glaubte, dass er es wirklich ernst meinte. „Meinst du nicht wenn du so lange wach warst solltest du besser ins Bett gehen?“ „Hör auf mit diesen Bemerkungen.“ Ermahnte er mich erneut. „Es tut mir Leid, aber ganz glauben kann ich es dir leider noch nicht.“ „Ich muss es dir ja auch nicht beweisen, schließlich ist es doch für mich wichtig das ich es weiß oder?“ fragte er. „Ja, ich finde es wichtig, dass du erstmal weißt wer du bist, außer Bill der Megastar.“ Er stand auf und kam zu mir nach vorne. „Du kannst gut Klavier spielen!“ sagte er zu mir. „Kann sein…“ antwortete ich nur. „Nein wirklich und ich habe dich im Internet gesucht und wusste gar nicht das du so erfolgreich bist in der klassischen Musik.“ Sagte Bill. „Erfolg hat aber nicht immer etwas mit gut sein zu tun und außerdem macht es mir Spaß Klavier zu spielen.“ Antwortete ich ihm. „Ist klar, mir macht das singen ja auch Spaß!“ Ich nickte. „Ähm…“ sagte er. „Was?“ fragte ich. „Kannst du mir ein bisschen zeigen wie man spielt?“ fragte er fast schüchtern. „ja, klar, komm her.“ Ich lächelte ihn an und zusammen setzten wir uns auf meinen Klavierhocker.

Es war der nächste Abend, genau wie die Abende zu vor ging ich wieder in den Saal. Es zog mich automatisch hin, ich wusste auch nicht warum. Ich hoffte aber dass Bill nicht da war, zu gerne würde ich mein Lied noch einmal spielen. Er störte dabei einfach, doch wenn er da wäre dann wäre es auch nur halb so schlimm gewesen, denn dann hätte ich mit ihm reden können über ihn und seine Band, wie die beiden Abende zu vor. Ich hatte keine Ahnung warum ich das wollte, aber es interessierte mich wie es war der große Star am Pophimmel zu sein und vor allem interessierte mich wie der Mensch hinter dem ganzen Erfolg war, wenn er nicht grade den großen Star spielte. Den Tag über war er eigentlich ziemlich ruhig, außer das er seine Lieder zur Probe sang. Sein Bruder Tom übernahm dieses Mal das Ruder. Er wirkte lockerer als Bill. Er ließ sich mehr auf die Mädchen ein, die ihn auch nur so anschmachteten. Er wirkte offener und mehr interessiert an allem was um ihn herum geschah. „Da bist du ja wieder.“ Hörte ich eine Stimme hinter mir sagen. Ich drehte mich um. „Hallo Bill.“ „Oh kein Spruch auf Lager heute?“ fragte er ruhig. „So spontan, nein, grade nicht.“ „Das ist ja mal was ganz neues.“ Ich drehte mich wieder um. Er setzte sich wieder neben mich. „Hat sich deine Mutter wieder abreagiert?“ fragte er. Okay, er deutete damit die Geschichte von heute Mittag an, die vorgefallen war. Meine Mutter war etwas ausgerastet, weil sie ein kleines Klaviersolo streichen wollten und meine Mutter das auf keinen Fall durchgehen lassen wollte. Mir war es eher peinlich, aber so war sie halt. Hauptsache das Klavier, was ich dachte war ihr egal. „Keine Ahnung…“ Bill sah mich verwirrt an. „Bill ich hab eine Frage!“ Er sah mich an. „Ja?“ „Warum zeigst du dich nicht wie du wirklich bist?“ Ich sah ihn an. „Wie, ich bin doch so wie ich bin.“ „Nein, jetzt bist du ganz anders, als nachmittags und wie vorgestern. Du führst dich jetzt nicht wie der große Star auf.“ Ich sah auf die Tasten meines Klaviers. Ich merkte wie Bill neben mir mit den Schultern zuckte. „Ich weiß nicht…“ nuschelte er. „Ich aber…“ sagte ich unsicher. „Ach ja?“ fragte er. „Ich denke du hast Angst, dass alle dich so nicht mögen würden wenn sie dich so kennen lernen wie du wirklich bist. Vielleicht machst du das unbewusst ich weiß es nicht, aber so bist du viel netter als wenn du da oben stehst und anfängst rum zu stänkern weil dir etwas nicht passt.“ Er sah zu mir. „Du kennst mich doch gar nicht richtig, woher willst du wissen das ich nicht das in Moment spiele und eigentlich der Bill bin der nachmittags da oben steht?“ Ich stand auf. „Ich weiß es durch deinen Bruder.“ Bill stand auch auf und sah mich fragend an. „Hast du mit ihm geredet?“ „Ja, aber nicht über dich. Aber er ist nett und normal und zeigt sich nicht so wie du und ich glaube nicht das du so viel anders bist als er.“ Bill der mir gegenüber stand sah zu Boden. Er schien nach zu denken. Nach kurzer Zeit sah er aber wieder auf. „Du kennst uns nicht gut genug, Tom ist ganz anders als ich und er spielt vielleicht auch einfach nur, dass er nett ist.“ Seine Worte waren so sinnlos. Warum sollte jemand auf nett tun wenn er eigentlich ein arrogantes Arschloch ist. „Ich glaube, dass du Schwächer bist als er!“ fiel ich gleich mit der Tür ins Haus. Bills Gesichtzüge zogen sich etwas ins Grimmige. „Das stimmt nicht, du kennst uns nicht!“ fuhr er mich, wie aus dem Nichts, an. „Ja das tu ich nicht, stimmt!“ „Schön dass du es einsiehst!“ Ich nickte. „und nun geh besser ins Bett, ich möchte morgen hier nicht wieder so viele Verspieler hören wie heute!“ sagte er streng zu mir. Ich sah ihn verwirrt an. Eine ganze weile. Doch Bills Blick hielt das grimmige in sich. „Los!“ fuhr er mich erneut an. Ich nahm die Hände hoch. „Ja Entschuldigung dass ich mich ihnen überhaupt genähert hab, sie großer Star!“ Mit den Worten ging ich. Mir war klar was grade geschehen war. Ich hatte seine Wunde Stelle getroffen und schon hat er wieder auf Stark geschaltet. Auf die Arrogante Art die seine Weiche versteckte. Er wollte mir beweisen wie stark er war, doch er bemerkte wohl nicht das er da durch wieder zum Arschloch wurde.

Es war der vierte Abend, es waren nur noch drei Abende zu dem großen Auftritt. Bill hatte mir heute keinen einzigen Blick gewidmet und sein Befehlston wurde nur noch schlimmer. Ich wusste nicht ob ich enttäuscht oder traurig war. Einerseits enttäuscht weil er es nicht einsehen wollte, was ich ihm so vor Augen geführt hatte, und andererseits traurig. Obwohl traurig war ich wenn aus dem gleichen Grund. Ich setzte mich an mein Klavier, wie jeden Abend. Ich sah mich um. War Bill hier irgendwo? Ich weiß nicht ob ich wollte dass er da war. Eigentlich eher nicht. Ich hatte Angst ihn zu sehen. Wieso konnte ich nicht wirklich sagen. Ich zog mein Blatt Papier aus der Hosentasche, mit meinem Lied drauf. Nun konnte ich es endlich spielen. Bill war nicht da. Es war besser so. Ich legte sanft meine Finger auf die Tasten. Ich wollte grade anfangen zu spielen, doch da fiel mir anstatt meiner ersten Strophe ein ganz anderer Text ein.

„Ich erinnere mich an die Zeit
In der du neben mir saßt
Ich vermisse dich
Ich sehe um mich, immer wieder, doch es ist leer
Und merke du bist nicht da
Bist leider nicht da

Ich merke wie wir uns trennen
Wie du mir davon gehst
Die zeit in der wir so viel spaß hatten
Ist nun vorbei
Ich würde wirklich alles tun
Damit sie wieder kommt
Denn der Punkt den du immer vergisst, der Punkt den du vergisst
Ist wie es war…

Jetzt bist du nur noch auf den erfolg aus
Ich erkenne dich nicht wieder
Ich möchte dich in meine arme nehmen
Aber ich weiß
du kannst es nicht mehr
In dir ist es einfach leer.

Ich merke wie wir uns trennen
Wie du mir davon gehst
Die zeit in der wir so viel spaß hatten
Ist nun vorbei
Ich würde wirklich alles tun
Damit sie wieder kommt
Denn der Punkt den du immer vergisst, der Punkt den du vergisst
Ist wie es war…

Manchmal wünsche ich mir
Das du zu mir kommst
Mit mir reden willst
Und mich anhören magst
Doch ich kann noch lange warten

Ich merke wie wir uns trennen
Wie du mir davon gehst
Die zeit in der wir so viel spaß hatten
Ist nun vorbei
Ich würde wirklich alles tun
Damit sie wieder kommt
Denn der Punkt den du immer vergisst, der Punkt den du vergisst
Ist wie es war…

Ist wie es war…
wie es war…“

Langsam nahm ich meine Hände von dem Klavier. Mein Kopf senkte sich. Ich merkte, dass ich Tränen in den Augen hatte und leider bemerkte ich, dass ich die ganze Zeit bei dem Lied an Bill dachte. Ich tat es ungern. Schließlich kannte ich ihn ja noch nicht lange und seiner Meinung nach kannte ich ihn auch nicht gut. „Der Text war anders, als das letzte Mal!“ Mit einmal drehte ich mich um. Bill stand da. Er sah mich an. Mein Herz fing wie wild an zu klopfen. „War das an mich?“ fragte er schüchtern. Ich schüttelte sofort ruckartig mit dem Kopf. „Magst du mir erzählen wie man auf so einen schönen Text kommt?“ Wieder schüttelte ich nur ruckartig den Kopf. Ich schnappte mir meinen Zettel. Ich merkte wie ich den Tränen Nahe war. Dieser Mann brachte mich grade zum weinen. Wir waren doch im Streit und jetzt tat er wieder so verdammt nett. Obwohl hatten wir uns eigentlich richtig gestritten? Ich kam grade selber nicht so ganz mit meinen Gefühlen klar, deswegen musste ich weinen es war alles so durcheinander in meinem Kopf. Ich steckte den Zettel in meine Hosentasche und rannte so schnell ich konnte aus dem Saal. Ich lief den langen Flur entlang zum Hinterausgang des Gebäudes. Ich riss nur so die Tür auf, ich musste aus diesem Gebäude raus. Es verlor in diesem Moment den Glanz für mich, der mich immer so fasziniert hatte. Ich verschwand auch schnell in unserem Tourbus. Hier würde Bill nicht reinkommen können, hier würde er mich in Ruhe lassen. Hier würde kein Platz für Gefühl sein, die ich für ihn hatte. Denn hier drinnen war meine heile Welt, okay bis auf meine Mutter. Aber hier war meine gut durchgeplante Welt ohne einen Jungen namens Bill und ohne eine Band namens Tokio Hotel. Natürlich war es nicht so wie ich es mir gewünscht hatte. Gefühle konnte man leider nicht abschalten und so begann eine schlaflose Nacht für mich.

Der nächste Abend kam. Der Tag war der reinste Horror für mich. Bill dagegen schien gelöster zu sein. Er und seine Bandkumpels machten Späße wo alle lachen mussten, sie gingen persönlich zu Mädchen hin um sie besser kennen zu lernen. Wo dieser plötzliche Sinneswandel herkam wusste ich nicht. Nur ich hatte ein Zettel auf meinem Klavier gefunden wo drauf stand „Du hast deinen Song verloren gestern Abend, komm heute Abend wieder dann gebe ich ihn dir wieder.“ Unterzeichnet war das alles mit Bill. Toll, das hatte mir natürlich grade noch gefehlt. Also stand ich heute Abend wieder hier. Ich ging dieses Mal nicht zu meinem Klavier. Ich setzte mich an den Rand der Bühne und sah in den großen Raum. Irgendwo musste Bill ja kommen, ich wollte nur meinen Song holen und wieder verschwinden. „Ich wusste, dass du kommst.“ Rief auf einmal Bill durch den Raum. Er stand auf der anderen Seite. „Es ist ja auch mein Lied! Das muss ich mir auch wieder holen.“ Antwortete ich selbstbewusst. In schnellen Schritten kam Bill auf mich zu. „Wo hast du es?“ „Nicht so eilig Jacky.“ Antwortete Bill. „Was ist denn auf einmal mit dir los?“ Ich zuckte mit den Schultern. Er kam immer näher, ich wusste nicht ob ich das wollte. „Ich muss mit dir reden.“ Sagte Bill als er sich neben mich setzte. „Ja? Musst du?“ „Ja, muss ich… du hattest recht, mit allem was du vorgestern gesagt hattest.“ Er blickte in den Zuschauerraum. „Ich bin schwächer als Tom und ich verstecke mich hinter dem arroganten Arschloch um es in deinen Worten zu sagen.“ „ich weiß…“ flüsterte ich. Ich sah ihn aber nicht an, ich konnte es nicht. Ich musste meine Gefühle ordnen, ich wollte nicht neben ihm los heulen. „ja, ich weiß dass du das weißt, aber ich will dir danken.“ Er stupste mich an. „Es gibt nichts zu danken.“ „Doch und zwar eine ganze Menge, du hast mir gezeigt das Ehrlichkeit am besten ist, das man wenn man sich treu bleibt viel mehr erreichen kann und auch wenn man schwach ist sollte man sich nicht verstecken. Du hast mir gezeigt das du meinen wahren Charakter magst und das es wahrscheinlich auch mehr Menschen gibt die meinen Charakter mehr mögen, als wenn ich ihnen mit meinem „Stargehabe“ vor den Kopf stoße.“ Ich merkte wie er mich ansah, doch trotzdem sah ich nicht zurück. „Jacky du bist ein wunderbares Mädchen. Du kannst Menschen verändern, das weiß ich seit dem ich dich das erste Mal gesehen hab. Wie du redest deine Art. Du hast mir vor Augen geführt was für ein Vollidiot ich war.“ Wieder stupste er mich an. Ich sah auf. Ich musste ihn schließlich mal ansehen. Ich zwang mir ein Lächeln auf die Lippen. „Wie machst du so was?“ fragte er. „Keine Ahnung, es war auch nicht mit Absicht es war alles nur die Wahrheit.“ Er nickte, „die Wahrheit…“ Er zog meinen Song aus der Hosentasche und hielt ihn mir hin. „Kommen wir nun zu deiner Wahrheit…“ sagte er. „was ist mit meiner Wahrheit?“ Ich hatte etwas Angst vor dem was jetzt kommen würde. Vielleicht hatte er gemerkt das ich mehr für ihn empfand als mir eigentlich lieb war, was durch meine Aktion die letzte Nacht ja eigentlich nicht zu übersehen war. „Du vermisst deine Mutter sehr, obwohl sie bei dir ist oder?“ Ich nahm ihn das Stück Papier aus der Hand und sah ihn an. „Woher weißt…“ „Jacky ich bin nicht blind. Deine Mutter sitzt jeden Tag in der ersten reihe und beobachtet jeden Schritt den du tust, du entfernst dich fast keine 10 Meter von deinem Flügel und wenn pfeift sie dich zurück. Außerdem hab ich gehört wie sie sich mit deinem Manager darüber unterhalten hat, das sie meint das du lieber für deine Konzerte üben sollst und nicht diesen Kinderkram hier mit machen sollst.“ „Das meint sie alles nicht so…“ sagte ich leise. „Doch meint sie und das weißt du besser als ich. Als letztes Beweisstück hab ich gestern dein Lied gelesen, sei nicht sauer, es ist gut. Aber es drückt aus wie sehr du sie vermisst.“ Ich nickte etwas. Zum Glück war auf dem Zettel ja noch die alte Version. „Ach komm schon, erzähl mir wie es immer ist, ich meine wir verbringen jetzt schon die vierte Nacht in Folge hier zusammen, so viel Zeit habe ich schon lange nicht mehr mit einem Menschen verbracht der nicht zu unserer Crew gehört.“ Er lächelte mich an. „Ach, früher war meine Mutter selber eine super Pianistin, aber dann kam ich halt und sie musste ihren Traum schmeißen. Dafür lebe ich ihn jetzt, nur leider ist es mehr ihr Traum als meiner. Natürlich möchte ich Klavier spielen und natürlich freue ich mich damit so viele Menschen glücklich zu machen, aber ich will doch meine Mutter wieder haben. In Moment ist sie ein Gefühlloses Monster. Sie übt eigentlich mehr Druck auf mich aus, als mir eine Mutter zu sein.“ Es sprudelte nur so aus mir heraus. Ich vertraute Bill. Er legte ein Arm um mich und zog mich an sich ran. Doch diese Nähe konnte ich in diesem Moment nicht aushalten. Es war mir zu nah. „Bill, es tut mir leid, aber ich muss ins Bett.“ Flüsterte ich und stand auf. „Jacky, renn doch nicht wieder weg.“ Sagte er noch, aber ich ging trotzdem. Er hielt mich nicht auf. Es hätte eh nichts gebracht, ich war Stur.

Heute war der sechste Abend, der Abend vor dem Konzert. Heute war die letzte Probe gelaufen. Den ganzen Tag über habe ich ihn wieder gesehen. Er sah immer mal zu mir, aber ich sah immer schnell weg. Es war mir peinlich, das ich weggerannt war, weil irgendwie ich ihm vertraute. Ich vertraute ihm plötzlich sogar sehr. Es kam aus heiterem Himmel. Ich wusste nicht woran es lag. Deshalb hatte ich beschlossen es ihm heute Abend zu sagen, das mit meiner Mutter und das das Mal wo ich den Text anders gesungen hatte für ihn war. Er hatte ein Recht es zu erfahren und ich musste es vor dem Konzert loswerden. Oder sagen wir ich wollte es gerne loswerden. Nun saß ich also wie so oft am Bühnenrand zum 6sten Mal in 6 Tagen. Ich war mir eigentlich so sicher es ihm sagen zu müssen, aber auf der anderen Seite war dort auch eine Unsicherheit. Ich meine er war am Anfang ein ziemliches Arschloch, was war wenn er so mit meinen Gefühlen umgehen würde, sie nicht ernst nehmen würde oder denken würde sie wären nicht schlimm. Okay was ist schlimm? Schlimm legt jeder Mensch für sich anders aus. Manche finden es schon eine Tragödie wenn ihnen ein Fingernagel abbricht. Was natürlich eines der schlimmsten Dinge dieser Welt ist, für manche Frauen! Ich meine okay, ich muss zu geben ich hatte wenigstens kein Geldproblem und da musste ich wirklich sagen, das das mein großes Glück war. Aber das Geld schien mich alleine ja auch nicht glücklich zu machen. Aber Bill machte es in Moment in irgendeiner Art und Weise. Doch wo war er eigentlich. Es war schon viel später als sonst. Sonst wäre er schon lange da gewesen. Es wunderte mich etwas. Hatte ich ihn so sehr verschreckt mit meinem Abhauen vom Vortag. Ich hoffte doch mal nicht. Aber der Gedanke machte mir Angst. Was ist wenn er meine Stärke von den Vortagen wieder erwartet hatte und bemerkt hatte, das ich doch nur ein kleines schwaches Mädchen war und ihm dieses nicht mehr so imponierte? Wahrscheinlich machte ich mir auch nur zu viel Sorgen, vielleicht war er einfach müde und wollte vor dem großen Tag am nächsten Tag nicht verschlafen oder halt verpennt erscheinen. Genau das musste der Grund sein, ich war mir sicher. Also nein ich war mir keinen Stück sicherer. Ich hatte nur Angst in mir das er mich nie wieder sehen wollte. Doch trotzdem stand ich auf. Trotzdem ging ich aus der Halle in Richtung meines Bettes, auch wenn ich mehr Angst hatte als je zu vor, das ich jemanden verlieren könnte, den ich wirklich, na ja… wirklich liebte?

Ich stand hinter der Bühne. Ich war aufgeregt, man hörte wie sich die Halle füllte. Ich zitterte etwas, ich war aufgeregt, ja natürlich wie immer. Das konnte man ja nicht einfach so abstellen. Also stand ich nun da, die Band hatte sich noch nicht sehen gelassen. Meine Mutter stand neben mir. „Du wirst mir hier jetzt aber nicht zusammen brechen, ich meine das was heute ist, ist doch nur Babykram.“ Ich sah sie an. „Ja, Mama.“ Sie musste es wieder besser wissen, wie immer. Wie ich es hasste. Hinter uns tauchte auf einmal die Band auf. „Wir wollten noch mal ein gutes Gelingen für alle Anwesenden wünschen.“ Sagte Bill zu allen die hinter der Bühne standen. Dann merkte ich wie sein Blick durch die Runde ging. Bei mir blieb er kurz stehen und ich merkte ein kurzes Lächeln seinerseits. Doch schnell wurde dieser Moment wieder unterbrochen. „Okay, das Orchester muss jetzt auf die Bühne.“ Sagte einer der Hauptverantwortlichen. Ich war aber noch wie in Trance. Er hatte mir zu gelächelt und trotzdem war er gestern nicht da gewesen. Doch ich sollte wohl nicht länger drüber nachdenken, denn ich wurde einfach mit raus getragen, mit der Menge des großen Orchesters. Ich ging zu meinem Flügel und setzte mich da hinter. Ich blickte zum ersten Mal in die Menge. Der ganze Saal war ausverkauft hauptsächlich von jungen Mädchen, die versuchten sich so dunkel zu kleiden wie es nur ging. Eigentlich schade, ich meine sie versuchten sich alle wirklich so gut wie möglich an zu ziehen oder den Kleidungsstil von Bill nach zu machen, aber für mich gehörte in so einen schönen alten Theatersaal, Menschen in schicken Sachen, in Abendkleidern oder Sonstigem. Da fing das Gekreische an, Tokio Hotel kam auf die Bühne, das konnte man nicht verpassen, da eine Lautstärke den Saal füllte, die einfach nur zu laut war für ein Unplugged-Konzert. Aber das war bei Tokio Hotel einfach normal und ich musste auch sagen, das ich bezweifelte das die hälfte der Mädchen je ein Unplugged Konzert gesehen haben und wie sich normalerweise viele Menschen dort benehmen, also nahm ich es ihnen auch nicht übel. Ich blickte selbst zu den Jungs. Wie in Zeitlupe nahmen sie sich ihre Instrumente, was mich irgendwie nervöser machte. Eben war ich ja noch abgelenkt, aber langsam merkt eich doch meine Anspannung. Ich klappte den Deckel der Tasten hoch und stellte mir die ersten Noten bereit und keine Minute später ging es dann auch los.
Nach etwa der hälfte der Lieder nahm Bill wieder sein Mikro in die Hand und begann erneut zu reden. „Also, das waren ja jetzt unsere Lieder und wie sie sehen gibt es hier viele große Talente an ihren Instrumenten.“ Ich sah Bill nicht an, er hatte sich gutgemacht die letzten Tage, von seiner Arroganz war gar nichts mehr zu spüren und ich hatte auch das Gefühl, das wenn ich nicht gewesen wäre er uns nie gelobt hätte. „Doch es gibt ein besonderes Talent noch auf dieser Bühne.“ Nun wurde ich langsam hellhörig und blickte doch zu ihm. „Vielleicht kennen sie einige, sie ist ein riesen Talent an ihrem Instrument und füllt eigentlich schon selber Hallen mit ihrer Musik, doch als ich sie die letzten Tage so ein wenig kennen gelernt hab ist mir noch was anderes aufgefallen…“ ich merkte wie er anfing mich an zu starre, „das sie neben dem Klavier spielen, auch eine großartige Songschreiberin und Sängerin ist.“ Okay, bis eben habe ich noch gehofft das er von wem anders redet, denn das war mir grade ziemlich peinlich, warum erzählte er das? „Darf ich vorstellen, Jacky Weizen!“ Er deutete auf mich und kam langsam auf mich zu. Ich stand wie automatisch auf und wank etwas schüchtern in die Richtung der Zuschauer. Ich setzte mich wieder, ich merkte wie ich rot wurde. Ich verstand den Sinn grade nicht von dem was Bill vorhatte. Er kam beim Flügel an und stellte sich daneben. Dann hörte ich wie die Gitarre langsam anfing zu klingen und sofort an den ersten Tönen erkannte ich was die Jungs jetzt vorhatten. Ich blickte zu Bill und formte ein „Nein!“ mit meinen Lippen, doch dieser Grinste mir nur zu. Wie von selbst begangen meine Finger das Lied zu spielen, mein Lied! Bill musste es irgendwoher gehabt haben. Bill nahm das Mikro vor seinen Mund und begann zu singen. „Ich erinnere mich an die Zeit
In der ich noch klein war
Es ist schon lange her
Ich gucke dich nur an, immer wieder
Und merke die zeit ist vorbei
Sie ist vorbei“
Nach der Strophe ging er an mir vorbei und deutete auf mein Mirko er wollte da sich mit singe. Und ich tat es komischerweise auch. Ich sträubte mich da nicht mehr gegen, ich konnte nicht es war mein Lied. „Ich merke wie wir uns trennen
Wie du mir davon gehst
Die zeit in der wir so viel spaß hatten
Ist nun vorbei
Ich würde wirklich alles tun
Damit sie wieder kommt
Denn der Punkt den du immer vergisst, der Punkt den du vergisst
Ist wie es war…“
Den Rest des Liedes kennt ihr ja schon. Ich drückte auf die letzte Taste meines Klaviers und ließ den Ton ausklingen. Dann nahm Bill meine Hand und zwang mich zum aufstehen. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich grade mit ihm ein Duett gesungen hatte, einfach so. Die Leute fingen an zu klatschen und Bill und ich verbeugten uns etwas.

Das Konzert war zu Ende, und wir gingen alle in einen großen Backstageraum, wo Sekt und alles bereit stand um ein wenig den Erfolg des Konzertes zu feiern. Der Raum füllte sich immer mehr und jeder bekam ein Glas Sekt in die Hand, mit dem wir auch gleich anfingen an zu stoßen. Ich bekam von vielen Seiten Glückwünsche für das Gelungene Konzert und dafür, dass ich angeblich gut gesungen hatte. „Jacky?“ hörte ich eine sanfte Stimme hinter mir, sie kam mir bekannt vor doch ich hatte das Gefühl sie lange nicht mehr so sanft zu hören. Ich drehte mich um, meine Mutter stand vor mir. „War… war das Lied auf unsere Beziehung zu einander geschrieben?“ Ich nickte sanft. Meine Mutter kam zu mir und nahm mich in den Arm. Es kam mir komisch vor wie lange hatte sie das nicht mehr gemacht. „Es war wunderschön und deine Stimme auch, ich hätte auf dich hören sollen ich hatte doch nicht geahnt wie viel Talent doch wirklich in dir steckt. Ich löste mein Kopf aus ihrer festen Umarmung und sah zu ihr hoch, „ist schon okay.“ „Nein ist es nicht, was ich alle die Jahre mit dir angestellt hatte.“ „Mama, es ist okay, können wir das später noch mal klären nicht vor all den Leuten?“ Sie nickte und ließ mich langsam los, ich lief ganz schnell ins Getümmel und erstmal weg von ihr zu kommen, klar freute mich ihre Entschuldigung doch das ließ sich nicht einfach so klären durch eine Entschuldigung. Ich schlich mich aus dem Raum hinaus, ich hatte keine Lust auf große Feier. Ich beschloss in die Halle zu gehen wo jetzt eh keiner mehr war. Wie jeden Abend setzte ich mich auf den Bühnenrand und wieder sah ich durch die alten Sitzbänke, doch das Gefühl dieses mal war anders, vorhin saß hier alles voll mit Gästen, das nahm dem alten Theatersaal etwas das geheimnisvolle, aber es ließ irgendwie Welten verschmelzen, die Welt von Tokio Hotel mit meiner Welt. „Warum gehst du denn einfach so weg!“ Bill! Ich drehte mich nicht um. „ich wollte noch mal die Atmosphäre genießen.“ Ich merkte wie Bill immer näher kam und sich hinter mich kniete. Ich spürte sanft wie er seine Hand auf meine Schulter legte. Langsam drehte ich meinen Kopf zu ihm um. Unsere Gesichter waren sich nun ganz nah. Ich spürte seinen Atem auf meiner Haut. „Warum hast du mein Lied gespielt?“ flüsterte ich ihm zu. „Weil es gut ist und ich glaube das es, es verdient hat.“ Hauchte er mir entgegen. „Und wo warst du gestern? Ich habe dich irgendwie vermisst.“ Fragte ich leise. „Na ja, ich musste den Jungs doch das Lied beibringen!“ zwinkerte er mir zu. Ich wollte mein Kopf wieder wegdrehen, doch er heilt ihn fest und blickte mich lieb an. Er schloss langsam seine Augen und ich tat es ihm einfach gleich. Sein Atem kam immer näher an meine Haut heran. Kurz darauf spürte ich seine Lippen sanft auf meinen liegen. Er begann mich zu küssen und ich war wie verzaubert ich musste einfach mit machen.

Bill und ich blieben nach dieser Zeit sehr gut Freunde, wir wurde kein Paar aber das war unsere Vernunft da wir nie viel Zeit für einander hätten, doch immer wenn ich mit ihm telefonierte oder ihn sah hüpfte mein Herz schneller als sonst, er war mir irre wichtig und das ich ihn verliebt war ließ sich auch nicht so einfach abstellen, doch ich wusste das er es genauso sah. Meine Mutter wurde wieder zu einer Mutter so wie ich sie mir immer wünschte.
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